Reminiszenz an Stuttgarts Weinberge

Von Rebmauern, Kernsanierungen und Portugiesischem Lorbeer

Eine wahre Herausforderung! Besonders viel Fantasie und auch besonders viel Liebe verlangte das Projekt am Rande der schwäbischen Metropole.

„Oje, Abriss und Neubau wäre leichter!“, dachte sich Landschaftsarchitekt Andreas Käpplinger, als er zum ersten Mal auf diesem Grundstück oberhalb Stuttgarts stand. Die Hausstruktur aus den 1950er-Jahren war völlig marode, der Garten ungepflegt und zugewachsen. Doch statt das alte Gebäude einfach abzureißen, wurde es kernsaniert, aufwendig umgebaut und in liebevoller Detailarbeit wieder zu neuem Glanz erweckt.

Lage des GartensStuttgart, Baden-Württemberg
Größe des Gartens600 m²
PlanungsbüroOtto Arnold GmbH
Zum Profil
FotografieAndreas Käpplinger
Aus einem zugewachsenen Grundstück und einer völlig maroden Hausstruktur wurde eine harmonische Gesamtanlage für Haus und Garten geschaffen.

Stephan
Arnold,
Otto
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Andreas
Käpplinger

Auch der Garten erfuhr eine komplette Umgestaltung, lediglich die dazugehörige Mauer an der Straße wurde in die Neugestaltung übernommen. Es ist ein Hausgarten, der vom starken Gefälle geprägt wird, und das auf kleiner Fläche. Um die Höhendifferenz zu den Nachbargrundstücken auszugleichen, waren daher viele Trockenmauern nötig. So wurden die schönen Rebmauern zu einem wesentlichen Gestaltungselement, die übrigens hervorragend in die Landschaft passen – wer Stuttgart kennt, weiß, dass die traditionsreichen Weinlagen den besonderen Flair der Stadt ausmachen. Diese Mauern hier bestehen aus Jura-Kalkstein und passen mit ihrer warmen, natürlichen Anmutung sehr gut zur Riemchen-Verblendung am Haus. Trotz des großen Gebäudekörpers, der auf dem Grundstück viel Platz einnimmt, hat Andreas Käpplinger versucht, möglichst viel Grün unterzubringen: Etwa mit Lavendel, Waldsteinien (Waldsteinia ternata), Storchschnabel, Waldsimsen (Luzula sylvatica), Seggen, Lilien, Funkien und Anemonen in den Pflanztaschen der Trockenmauern, entlang des Treppenaufgangs oder an der Hausmauer. Oder aber mit der Hecke aus Eibe und Portugiesischem Lorbeer, die das Grundstück einfasst. Und natürlich mit großen, markanten Solitären, die dem Garten die Aura eines alten, eingewachsenen Gartens verleihen. Ein solcher Raumbildner ist die zweistämmige Sumpfeiche (Quercus palustris), die den Eingangsbereich prägt und mit ihrer intensiven Herbstfärbung von Gelborange bis Bronze der Hingucker schlechthin ist. Früher war dieser Raum ein trostloser Abstellplatz für Autos – nun ist er der würdige Auftakt für das wiederbelebte Wohnhaus. Von dort führen breite Treppen hinauf zum wettergeschützten Eingangsportal am Haus, von dessen Dach Lenzrosen (Helleborus orientalis 'Red Lady'), Teppich- Japan-Seggen (Carex foliosissima 'Ice dance') und der besonders blühfreudige Storchschnabel 'Rozanne' (Geranium Hybride) Gäste willkommen heißen. Trittplatten führen um das Haus herum bis zur Holzterrasse mit formalem begehbarem Wasserbecken. Ein paar Stufen tiefer gelangt man zum Bereich der Kinder: einer Rasenfläche zum Toben und Spielen mit Apfel- und Birnenspalieren, deren Früchte gleich frisch vom Baum verdrückt werden können. Selbst auf der Dachterrasse im ersten Stock profitiert die Familie von der neuen Gestaltung: ein Spalier aus Amberbäumen (Liquidamer styraciflua), auf der Pflanztasche an einer der Trockenmauern platziert, garantiert auch hier ungestörte Mußestunden.

Impressionen