Zusammenarbeit

Gemeinsam grenzenlos

Better together: Bei diesem Gemeinschaftsprojekt ziehen alle an einem Strang

Zwei Familien, Nachbarn eines Doppelhauses, tun sich zusammen, um ihre Gärten gemeinsam gestalten zu lassen. Das Grundstück, neu bebaut auf einer vormals verwahrlosten Fläche, liegt in der Stadt und weist einen schwierigen Grundriss auf: Lang und schmal ist es der Länge nach noch einmal in zwei Hälften geteilt und bebaut worden. Daher hat der eine Nachbar einen kleinen Garten (135 m²), der andere zwar mehr Fläche, dafür aber ein spitz zulaufendes Grundstück. Landschaftsarchitektin Maryvonne Schöner übernimmt die Aufgabe, die Wünsche und Vorstellungen der beiden Familien zu einem gemeinsamen Konzept zusammenzuführen. Das Verbindende steht aber klar im Vordergrund, sodass sich Großzügigkeit und Weite einstellen können. Einen Zaun sucht man zwischen den beiden Nachbargärten vergeblich. Überhaupt gibt es mehr verbindende als trennende Elemente, welche die Gestaltung bestimmen: Etwa die Cortenstahlbänder, die sich schwungvoll durch den gesamten Raum ziehen und in den beiden Gärten Rasenterrassen in zwei Höhenstufen entstehen lassen.

Lage des GartensMünchen (D)
Größe644 m² (beide Gärten)
PlanungsbüroSCHÖNER GÄRTEN - Maryvonne Liana Schöner
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AusführungInspired by nature - Landschaften und Gärten
FotografieMedia Agentur DieExen
Zwei Privatgärten sind eine gemeinsame Gestaltung eingegangen. Der stadttypisch begrenzte Gartenraum wird dadurch visuell erweitert und schenkt Bewegungsraum und Leichtigkeit.

Maryvonne Liana Schöner

Offen gestaltete Räume wechseln sich mit intimen Bereichen ab. An den Terrassen, den hauptsächlichen Aufenthaltsorten, ist mit einer dichten Rotbuchenhecke für Privatsphäre gesorgt. Steppen-Kirschen 'Globosa' (Prunus fruticosa) garantieren auch für den höheren Sichtbereich Blickschutz. Im hinteren Garten werden die Gehölze von einer luftig leichten Präriepflanzung abgelöst. Dank offener Gestaltung ohne Zaun kann sogar noch ein weiterer Sitzplatz im hinteren Bereich des kleineren Gartens entstehen, der eine völlig andere Perspektive bietet. Dieser Sitzplatz verändert sich im Jahreslauf mit der Pflanzung: Zunächst erscheinen dort unzählige Frühjahrsblüher, etwa Sternkugel- Lauch (Allium christophii), Strahlen- Anemone (Anemone blanda 'Blue Shades'), frühblühende sowie spätblühende Tulpen in Purpur-Rosatönen und viele weitere Geophyten. Dann wirkt alles weit und offen. Mit dem Wachstum der Gräser ab Mitte Mai beginnt er sich langsam zu einem Schutzraum zu schließen, der Geborgenheit bietet. Umgeben von hohem Chinaschilf (Miscanthus) und den prächtigen Stauden der Prärie genießt man jetzt ein völlig anderes Raumgefühl. Auch im Vorgarten wird sich nicht abgeschottet – eine harte Begrenzung wäre bei der Größe auch ungünstig. Durch die grenzübergreifende Gestaltung mit Pflanzbeeten und den beiden Kugel-Blumen- Eschen (Fraxinus ornus 'Mecsek') wird der Vorgarten großzügig und erfährt eine klare Aufwertung. „Die Vorgärten der jeweiligen Häuser behalten die Grundeinstellung der Weite und bilden eine Gestaltung in Einheit ab. Ohne Zäune und hohe Hecken sind sie dem gemeinschaftlichen Straßenraum offen zugewandt“, erklärt die Landschaftsarchitektin, die sich darüber freut, dass die beiden Familien den Mut hatten, auch hier die Gestaltungsidee konsequent umzusetzen. Es täte dem Straßenbild in Städten und Vororten sicher gut, wenn mehr kleine Gärten grenzübergreifend gestaltet werden würden. Warum sich auch selbst beschränken, wenn es doch anders geht. Offen und zugewandt statt sich gegenseitig hinter Mauern und Wänden zu verschanzen – vorausgesetzt natürlich man hat den richtigen Nachbarn!

Impressionen