
Prinzip Großzügigkeit
Ein Garten auf einer ehemaligen Ackerfläche.

„Es ist ein landschaftlich geprägter Garten, aber mit modernen puristischen Elementen.”

Constanze Gericks
Der Hof, ein klassischer Münsteraner Klinkerbau aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts, wird nach und nach mit viel Eigenleistung im Inneren modernisiert. Daher war der parkartige Garten vor dem Umbau des Hauses fertig – auch das eine ungewöhnliche Situation. Also standen Constanze Gericks alle Möglichkeiten offen, die Ackerfläche in eine abwechslungsreiche Parklandschaft zu verwandeln, die vor allem Ruhe und Großzügigkeit ausstrahlt. „Es ist ein klassischer landschaftlich geprägter Garten, aber mit modernen puristischen Elementen, wie großflächigen Gräserpflanzungen und einer geschwungenen Natursteinmauer“, erklärt die Landschaftsarchitektin. Diese ca. 40 Zentimeter hohe Mauer aus Bruchstein zieht sich im nördlichen Bereich in die große Rasenfläche hinein und wird von einer Blutbuche (Fagus sylvatica 'Atropurpurea') und Eichen akzentuiert. Sie ist eine Hommage an den Künstler Andy Goldsworthy, der dafür bekannt ist, in der Natur vorkommende Materialien für seine vergänglichen Werke einzusetzen. Das Herzstück des Gartens ist der Schwimmteich direkt hinter dem Haus, der durch eine Trockenmauer aus Sandstein mit Wasserfall und einen „Strandbereich“ ergänzt wird. Eine Trauerweide (Salix alba 'Tristis') beschattet den Holzsteg malerisch mit ihren herabhängenden luftigen Ästen. Im südlichen Bereich schiebt sich ein zungenartig geformtes, ca. 600 Quadratmeter großes Gräserfeld in die Weite der Rasenfläche. Pro Quadratmeter wurden hier acht Gräserballen gepflanzt, die mit Tausenden filigranen Halmen Bewegung in die Fläche bringen. Verwendet hat Constanze Gericks dafür aber nur wenige Arten und Sorten, wie etwa Silberährengras (Stipa calamagrostis), Pfeifengras (Molinia arundinacea 'Windspiel') oder Rutenhirse (Panicum virgatum 'Rehbraun'), die, nach Größen gestaffelt, von den Bauherren eigenhändig gepflanzt wurden. Markanter Blickpunkt im sonst so flachen Gelände ist ein modellierter Rasenhügel mit einem großen Findling und Zierkirschen (Prunus 'Accolade'), die sich im April mit einem rosa Frühlingskleid schmücken. Erdwälle, mit Gräsern bepflanzt, begleiten abschnittsweise die Grundstücksgrenzen und rahmen den Garten ein. Sie sorgen zusammen mit Blütensträuchern wie Hortensien, Sommerflieder und Felsenbirnen für Sichtschutz zu den umliegenden Wirtschaftswegen. Dank der Grundstücksgröße finden auch noch all die Baumarten Platz, die dem Bauherrn auf seinen Reisen durch Japan, Kanada und Nordamerika besonders gut gefallen haben. Sie sind nach Herkunft geordnet und können sich hier zu stattlichen Baumgestalten entwickeln. Amberbaum (Liquidamber styraciflua), Amerikanische Rot-Eiche (Quercus rubra) und Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) symbolisieren Nordamerika und tragen im Herbst einen Hauch von Indian Summer in das Münsterland. Nicht minder spektakulär färbt sich der Silber-Ahorn (Acer saccharum) aus Kanada. Dazu verströmt das vergehende Herbstlaub des japanischen Kuchenbaums (Cercidiphyllum japo- nicum) würzigen Duft. Ein Hain aus heimischen Stieleichen (Quercus robur) schafft einen weichen Übergang in die umgebende Landschaft.

