Über den Straßen der Stadt im eigenen Grün entspannen

Kostbares Grün auf dem Dach

Nur über eine Luke mit ausziehbarer Bodenleiter lässt sich diese gerade einmal 55 m² große Dachterrasse aus der darunter liegenden Wohnung erreichen. Wie in einem Nest fühlt man sich hier oben geborgen, kann sich nach einem hektischen Tag über den Straßen der Stadt im eigenen Grün entspannen.

Es ist eine kleine, verborgene Welt inmitten von Stauden und Gehölzen, die der Schweizer Gartenplaner Marcel Somandin gestaltet hat: „Die Idee war, ein grünes Freiluftzimmer zu schaffen, reduziert auf das Wesentliche und üppig begrünt.“ Die Ausgangslage dafür war alles andere als romantisch – außer einer kleinen, kahlen Betonfläche gab es nichts. Zudem war die Fläche exponiert, umgeben von dichter Wohnbebauung und für jedermann einsehbar. Kein Wunder, dass die Besitzer sich dort nicht aufhielten. Diesen bis dato ungenutzten Raum verwandelt der Gartenplaner mit Hochbeeten und eleganten Tongefäßen nebst üppiger Bepflanzung in einen Ort der Geborgenheit und Ruhe, wobei die Lage hilfreich ist:

Größe55 M²
Lage Zürich, Schweiz
PlanungsbüroSomandin Garten- und Terrassengestaltung
Zum Profil
AusführungSomandin GmbH
FotografieB&F fotografiert
„Diese vorher unbenutzte Dachterrasse ist ein Beispiel dafür, dass ein biodiverser Erholungsraum auch im urbanen Raum auf kleiner Fläche gelingen kann.“

Marcel Somandin

„Die Dachterrasse befindet sich in einem ruhigen Wohnquartier neben einem öffentlichen Park. Die Baumkronen sind kostbares Grün und sorgen für spürbare Kühlung und Schatten auf der kleinen Fläche.“ Zentrales Gestaltungselement und Stimmungsträger sind die Pflanzen – sie werten den Aufenthaltsbereich auf, verwandeln ihn in einen angenehm schattigen und abwechslungsreichen Rückzugsort. Lohnende Blickpunkte – etwa auf die alten Bäume des nahen Parks – werden mit der Bepflanzung betont, die umgebende Bebauung, soweit möglich, ausgeblendet. Mit maßgefertigten Aluminiumgefäßen wird eine Raumstruktur erstellt und zugleich eine großzügige Pflanzfläche geschaffen. Daraus ergibt sich eine Zweiteilung: Auf der oberen Ebene befindet sich der Loungebereich, eingefasst mit einer Metallpergola (lokale Produktion), an deren Drahtseilen sich Kletterpflanzen in die Vertikale schwingen. Sie tragen zur Raumbildung bei und bieten gleichzeitig Sichtschutz und Schatten. Die untere Ebene ist intensiv begrünt: Neben Gräsern, Kräutern und essbaren Früchten finden sich auch heimische Stauden, wahre Insektenmagneten. So kann Biodiversität auf einem Dach aussehen! Wichtiges Kriterium für die Pflanzenauswahl: die Trockenverträglichkeit, denn die Pflanzen müssen sich an dem vollsonnigen und windexponierten Standort behaupten. Auch die beiden Solitärgehölze, ein Eisenholzbaum (Parrotia persica) und ein Amberbaum (Liquidambar styraciflua), gelten als klimaverträgliche, robuste Gehölze. Der Amberbaum an der selbst entworfenen Sitzbank (Accoyaholz) ist ganzjährig ein Blickfang und Schattenspender an heißen Tagen. Der Eisenholzbaum im edlen Tongefäß, nicht minder malerisch, markiert einen weiteren möglichen Sitzplatz. „Gleichzeitig ließen wir den Raum offen und damit frei für eine flexible Nutzung, etwa für zusätzliche Sitzgelegenheiten“, erklärt Marcel Somandin. Damit die Bäume in ihren mit Leichtsubstrat gefüllten Gefäßen optimal mit Nährstoffen versorgt werden, bekommen sie regelmäßig organischen Dünger. Für ihr Gedeihen spielen außerdem Mikroorganismen und Bodenpilze eine große Rolle, die mit natürlichen Mitteln gefördert werden. Ebenso wichtig wie die regelmäßige Pflege der Pflanzen ist dem Gartenplaner ein verantwortlicher Umgang mit Materialien. „Wir verzichten aus ethischen Gründen auf die Verarbeitung von Tropenholz und setzen bei Bodenbelägen und Holzarbeiten auf die langlebige Alternative Accoya (Kiefernholz)“, so Marcel Somandin. Das Holzdeck aus Accoya verbindet die beiden Terrassenebenen optisch und bietet viele Vorteile: Es heizt sich nicht auf und ist ideal zum Barfußgehen, da es nicht splittert. Nicht zuletzt wirkt es mit seiner grau-silbernen Patina natürlich und wohnlich. Die sorgfältig gewählte Bepflanzung verbreitet dazu eine angenehme, warme Atmosphäre und lässt die Jahreszeiten lebendig werden. So hat sich eine kleine Betonfläche in einen wildromantischen Dachgarten inmitten der Großstadt verwandelt, den die Auftraggeber viel und gerne nutzen – ein Plus an Wohnfläche und Lebensqualität!

Impressionen