Garten durch die Bewegung des Wassers

Geprägt von der Flusslandschaft

„Der Garten ist durchzogen von der Bewegung des Wassers. Man spürt eine kraftvolle Stille – getragen von Ruhe und Licht. Hier kann der Mensch zu sich kommen, sich wieder mit dem Kreislauf der Natur verbinden – und dieser stillen Lebendigkeit Aufmerksamkeit schenken“, sagt Maryvonne Schöner. Die Rede ist von einem Hanggarten in besonderer Lage: Er grenzt an das ökologisch bedeutende Ampermoos und befindet sich in einem sensiblen Übergangsraum zwischen Siedlung und Flussaue.

Die Windach fließt in sanfter Kurve direktunterhalb des Gartens vorbei. Der kleine Fluss wird zur Inspirationsquelle der Landschaftsarchitektin – Wasser in seinen vielen Facetten steht im Mittelpunktihrer Gestaltung, welche die Balance zwischen Natürlichkeit und künstlerischer Gestaltung hält. So integriert sich der Garten in die ländliche Umgebung ausextensiven Wiesen, kleinen Wasserläufen und regionalem Gestein – Elemente, welche die Planerin aufgreift und zeitgemäß interpretiert. Ursprünglich gab es hier nur Rasen mit einem Schmetterlingsstrauch (Buddlejadavidii) in der Mitte.

LageWindach am Ammersee, Bayern
Größe 1.400 M ²
PlanungsbüroSchöner Gärten
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AusführungLandschaften und Gärten Gala GmbH
FotografieFerdinand Graf Luckner
Ein Garten, der Wandel spürbar macht – wo Herkunft und Handwerk, Wasser und Klang, Duft und Stein ein leises Ganzes bilden. Nicht gemacht – sondern gewachsen. Und plötzlich wird Stille lebendig.

Maryonne Schöner

Der Blick zum Wasser war durch eine grüne Wand aus Kiefern zur öffentlichen Brücke versperrt. Für Maryvonne Schöner steht sofort fest, dass es um mehr geht, als einen Uferstreifen ökologisch aufzuwerten: „Wir können den Garten zu einem Resonanzraum machen – als leise, lebendige Antwort auf den Fluss. Die Windach bringt eine Haltung mit sich: fließen – nicht fixieren, offen sein – statt begrenzen. Dieses Prinzip durchzieht den gesamten Garten konzeptionell. Wege verlaufen in sanften Schwüngen, Staudenfelder ziehen sich wie Strömungen durch das Gelände. Ein zentraler Teich wird zur ruhigen Mitte. Nichts ist starr – alles steht in Beziehung.“ Mit der Entfernung der Kiefern rückt die Windach in das Blickfeld, aber auch die Brücke und die Blicke der Spaziergänger. Im Laufe der Arbeiten wird die Brücke zur Bühne, die Umgestaltung des Gartens zum sozialen Event, denn die Dorfbewohner nehmen rege Anteil daran. „Was kann es Schöneres geben, als mit Gestaltung solche Resonanz auszulösen?“, freut sich die Planerin. Jetzt ist die „Grenze“ offen gestaltet und gewährt dennoch Privatsphäre: Der Blick zur Brücke wird durch eine breitkronige Japanische Nelkenkirsche (Prunus serrulata) abgelenkt, hohe Gräser schaffen gleich einem transparenten Vorhang einen Sichtschutz. Den Hang verwandelt die Planerin in eine fließende Folge klar strukturierter und dennoch sinnlich erfahrbarer Gartenräume, die den Bezug zum Wasser nie verlieren. entfaltet sich die Meisterschaft des Handwerks. Im unteren Bereich führt ein handgefügter Wasserlauf aus Natursteinsanft zur Windach hinab und nimmt den Charakter des Flusses auf. Im oberen Bereich markiert eine Orangerie den höchsten Punkt. Ein klösterlich inspirierter Kräutergarten mit Brunnen verbindet Nutzen mit Duft und Stille. Die Verbindung zwischen oberen Garten räumen und Hauptgarten schafft eine Pergola. Kieswege und strukturgebende Trocken-mauern gliedern das Gelände, eine groß-zügige Treppe führt hinab zum Fluss. Diese Elemente fügen sich dank regionaler Materialien (Muschelkalk, Nagelfluh, Lärchenholz, Flusskies) in die Umgebung. Große Bäume mit Charakterwerden behutsam integriert und bilden ein schützendes Gerüst. „Sie schaffen durch ihr fein gezeichnetes Licht-Schatten-Spiel die Atmosphäre, die den Garten zu dem macht, was er ist: Ein Ort, der nicht nur bepflanzt wurde, sondern vom Licht geführt ist“, so die Planerin. Stauden, Gräser und Wildpflanzen schaffen Lebensräume für Insekten, Vögel und Amphibien. Ungefüllte nektarreiche Blüten wie Achillea, Coreopsis, Anthemisoder Linum perenne nähren Insekten. Lippenblütler wie Bergminze und Origanum ziehen viele Wildbienenarten an. Ziergräser wie Deschampsia, Molinia und Sesleria strukturieren die Fläche, bringenden Garten in Bewegung und bieten auch im Winter Lebensraum. Zwar existiert der Garten erst seit wenigen Monaten, dennoch ist er bereits Teil der Landschaft – dank der einfühlsamen Gestaltung, die der Natur gerecht wird und gleichermaßen den Wünschen der Gartenbesitzerin entspricht. Untrügliches Zeichen diesen Erfolgs: Schon wenige Wochen nach der Pflanzung ist der Garten belebt, etwa mit Fröschen und Insekten im und am Teich. „Der Gartenwurde mit Respekt vor dem Ort, dem Boden und den Lebewesen gestaltet, die ihn sofort angenommen haben. Erwirkt wie geliehene Zeit: als hätte die Natur selbst diesen Ort schon lange vorbereitet – und nur darauf gewartet, dass man achtsam genug ist, ihn zu erkennen. Dieser Garten ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie schnell Natur zurückkehrt, wenn man sie ernst nimmt – und wie tief die Wirkung sein kann, wenn Gestaltung nicht Kontrolle, sondern Vertrauen bedeutet“, so Maryvonne Schöner. Ein solcher Garten führt zurück zu dem, was wesentlich ist – er lässt Wandel als Teil des Lebens begreifen und zeigt, wie in Stille Verbundenheit wächst. Und wenn man dort ist, spürt man es.

Impressionen