Gartenplanung auf kleinstem Raum meisterhaft

Eine Seelen-Erfrischung

Wie schafft man es, auf wenig Fläche einen guten Garten zu kreieren?

Nachdem durch die riesige Baugrube alles neu aufgebaut werden musste, konnte die verbleibende Fläche neu aufgesetzt werden“, so Stephan Maria Lang. Damit diese „Restfläche“ nicht zum bloßen Abstandsgrün verkommt, bedarf es eines guten Raumgefühls und gestalterischen Könnens, über das der Münchner Architekt und Garten-Autodidakt zweifelsohne verfügt. Ihm gelingt das Kunststück, einen atmosphärisch dichten Garten zu schaffen, der das raumgreifende Gebäude mit dem traditionellen Villenvorort und seinem alten Baumbestand versöhnt. Dafür wird zunächst die Fläche aufgeteilt, das Gelände modelliert und alles Störende in der Nachbarschaft ausgeblendet, indem Garagen schwarz gestrichen, mit Wandelementen versehen und mit Kletterhortensien (Hydrangea petiolaris) berankt werden. Da die große Rotbuche (Fagus sylvatica) im Bestand wegen ihres empfindlichen Wurzelwerks nicht aufgeschüttet werden darf, kommt nur eine leichte Modellierung und Unterpflanzung mit flach wurzelnden Rhododendren 'Cunningham's White' in Frage. Sie verleihen dem Gartenraum zusammen mit den Wandelementen immergrünen Halt und verwischen die Grundstücksgrenzen. Gleichzeitig werden Blicke auf charaktervolle Bäume in den Nachbargärten inszeniert und in die Gestaltung einbezogen („borrowed view"), um Großzügigkeit zu generieren. Bäume sind die Raumbildner des Gartens, die mit ihrem Blätterdach immer neue Lichtstimmungen erzeugen. Es sind Japanische Schnurbäume (Sophora japonica), die dem Grundstück zu mehr Großzügigkeit verhelfen, dem Obergeschoss Sichtschutz bieten und eine dschungelartig-verwunschene Atmosphäre am Pool zaubern.

Lage des GartensMünchen, Bayern
Größe450 m²
PlanungsbüroStephan Maria Lang Architektengesellschaft mbH
 
PlanungsbüroStephan Maria Lang
Zum Profil
AusführungBuk Landschaftsbau
FotografieSebastian Kolm Architekturfotografie
Der Garten ohne Rasen: Um die fehlende Größe des nach dem Bauen eher kleinen Gartenraumes und die Versiegelung zu kompensieren, wurde der Garten auf dem Dach unter einer bestehenden Buche erweitert.

Stephan Maria Lang

Dort entstehen verschiedene intime Sitzplätze, einzeln erlebbare „Miniräume“, wie etwa der tiefer gelegte Sitzplatz am Pool unter der exotisch anmutenden Purpur-Magnolie 'Susan' (Magnolia liliiflora). „Die Kleinteiligkeit der intimen Sitzplätze rund um den Pool verbindet sich perfekt mit dem Innenraum, quasi als dessen Erweiterung. Bodentiefe rahmenlose Schiebefenster (Skyframe) ermöglichen völlige Offenheit zur Staudenbepflanzung, die sich direkt an die Scheiben anlagert und die Terrassenbereiche um den Pool verwunschen integriert“, sagt Stephan Maria Lang. So wird der Garten mit seiner lebendigen Pflanzenwelt ins Innere des Hauses geholt – eine Architektur, die ganz mit dem Garten verschmilzt. Um die fehlende Größe und die Versiegelung zu kompensieren, erweitert der Planer den Garten auf dem Dach unter der bestehenden Rotbuche: „Der Dachgarten am Arbeitszimmer bietet mit dem Whirlpool in der Gräserpflanzung einen exklusiven Ort der Entspannung“. Japanisches Berggras (Hakonechloa macra), Teppich-Japan-Segge 'Irish Green' (Carex morrowii ssp. foliosissima) und Garten-Reitgras 'Karl Foerster' (Calamagrostis x acutiflora) scheinen gleich einem bewegten Gräsermeer die Brüstung zu überfluten und entfalten im Gegenlicht ihr warmtoniges, goldenes Leuchten. Solch sinnliche Erlebnisse können auch Zeitgenossen für den Garten begeistern, die mit lebendigem Grün bisher wenig anzufangen wussten. Dies wäre wohl ganz im Sinne Richard Neutras gewesen, der auf Sinnlichkeit und die gestalterische Einheit von Haus, Garten und Umgebung setzte. Der österreichische Stararchitekt war davon überzeugt, dass „ein richtig entworfenes Haus eben nicht ein statisches Gehäuse ist, sondern gewissermaßen ein Spiegel des Naturgeschehens drum herum und gerade dadurch eine immer neue Seelen-Erfrischung.“

Impressionen