Zusammenspiel aus Haus und Garten

Am Anfang steht der Ort

„Die erste Frage, die sich mir stellt, ist die nach dem genius loci, dem Geist, der Aura des Ortes. Ich muss diese Atmosphäre aber nicht beschreiben, ich muss sie nur spüren. Empfänglich sein für die feinstofflichen Qualitäten und Wesenheiten und in der Lage sein, dieses Spüren in ein Arrangement zu übersetzen, das den Geist für alle erlebbar und einzigartig macht“, sagt Stephan Maria Lang.

Dieser Ort, der zunächst erfasst werden will, liegt im Münchner Süden: Ein ruhiges Quartier mit Gründerzeitvillen inklusive großer Gärten und intakter Großbäume am Waldrand. Hier entsteht ein Ensemble, das eine Verschmelzung von Architektur und Natur, ein Ineinanderfließen von Innen- und Außenraum, anstrebt. Für diese organische Bauweise ist der Münchner Architekt und Garten-Autodidakt bekannt, der ganz in der Tradition von Frank Lloyd Wright und Richard Neutra steht.

Größe1.457 M ²
Lage München, Bayern
PlanungsbüroStephan Maria Lang
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AusführungBUK Garten- und Landschaftsbau GmbH
FotografieSebastian Kolm
Am Anfang steht niemals das leere Blatt, sondern immer der Ort, der Garten, die Blicke und am Ende die Einfügung des Hauses.

Stephan Maria Lang

Entscheidend dabei ist das Zusammenspiel von Haus und Garten. Mit einem einfachen Kniff schafft Stephan Maria Lang dafür die Grundlage: Das Haus wird aus dem rechten Winkel der Grundstücksgrenzen herausgedreht, sodass sich interessante Gartenräume und Blickachsen ergeben. „Es war wichtig, die Lage des Gebäudes dahingehend zu bestimmen, dass auch aus dem 5 m breiten Vorgartenstreifen großzügige Gartenräume entstehen und gleichzeitig eine möglichst lange Vista diagonal aufgebaut wird, um die Grundstücksgrenzen in den Hintergrund treten zu lassen“, erklärt der Architekt. Dadurch blickt man nicht direkt auf das Nachbargrundstück, sondern in den eigenen Garten, und der Vorgarten ist nunmehr kein beengter Raum, sondern trägt maßgeblich zur repräsentativen Wirkung des Villengartens bei. Rund um den Baukörper entsteht eine Abfolge unterschiedlicher Gartenzimmer, u. a. ein überdachter Freisitz, eine lässige Lounge-Sitzlandschaft, ein Kräuter-Küchengarten sowie eine Spielwiese. Anfangs gleicht der Garten wegen der enormen Baugrube inklusive Spundwänden bis auf den westlichen Gehölzrand einer planierten Kieswüste. Daher muss zunächst ein Gerüst über die Bodenmodellierung und Pflanzung strukturgebender Bäume aufgebaut werden. Um eine spannungsvolle Harmonie zwischen Gebautem und Gewachsenem zu erzeugen, werden bauliche Elemente in den Garten gezogen: Der Natursteinsockel des Hauses setzt sich in den Terrassen fort, die Stütz- mauer vor dem Tiefhof verbindet sich wie ein „Frank Lloyd Wright-Anker“ mit dem Gelände. Im Gegenzug rücken die Pflanzen dicht an den Baukörper heran, als wollten sie die Innenräume erobern. Hausnahe Stauden und schirmartige Gehölze bauen die Einheit von Haus und Garten auf. „Die Architektur ist Ausdruck eines besonders intensiven Verhältnisses zur Natur. Aus diesem Grund darf ein Haus keine Barriere zwischen Mensch und Natur sein, vielmehr betrachte ich es als Refugium, als eine Art Filter, die den Menschen in den jahreszeitlichen Wechsel einbindet“, er- klärt Stephan Maria Lang. Muschelkalk ist das Material der Wahl, da der Naturstein zeitlos wirkt, in Würde altert und das Gebäude mit dem Natürlichen verwurzelt. Jedes Gartenzimmer hat seine Pflanzen, seine eigene Stimmung: Eine ausladende Lilien-Magnolie (Magnolia denudata) schmückt den Bereich um den Tiefhof, ein Blasenbaum (Koelreuteria paniculata) spendet der Sitz-Lounge natürlichen Schatten, ein Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) schirmt zur Straße hin ab. Einzelne Solitäre wie ein Tupelobaum (Nyssa sylvatica) oder ein vorhandener Nussbaum (Juglans regia) fangen die Blicke im Vordergrund. „Großgehölze nehmen die Umgebung auf und fügen das Neue in eine Zeitlosigkeit der Umgebung. Stauden sorgen für ganzjährige Blüheffekte und Insektennahrung, ordnen sich optisch aber unter, um auch der Kunst im Garten und dem großen Ganzen Raum zu geben“, so der Architekt und Gartenplaner. Es ist eine waldartige Bepflanzung aus Farnen, Gräsern und tuffartig gesetzten Stauden wie den zarten Sterndolden (Astrantia major), nur wenige dezente Töne, dafür facettenreiche Texturen. Eine Pflanzung, die eine natürliche Ordnung zum Vorbild hat, in der eine kraftvolle Ruhe liegt. So bilden Haus und Garten eine Einheit, die den Garten ganzjährig erlebbar macht. „Meine Häuser sollen mehr sein als purer Luxus, es sind Orte der Verbindung mit Gärten, an denen man loslassen kann, sich lebendig fühlt. Wo alles in Harmonie steht. Es geht nicht um Geld und Status, sondern um Bereicherung, die in unser Leben gebracht wird. Das Gesamtwerk aus Haus und Garten in Verbindung mit Kunst als zivilisierter Gegenpol zur immer mehr digital wahrgenommenen Welt“, so Stephan Maria Lang.

Impressionen