Zu Besuch im Paradies

Mitten in Buda im hügeligen Teil Budapests mit dem Burgviertel westlich der Donau, befindet sich dieser verwunschene Villengarten. Alter Baumbestand und die ungew.hnliche Villa von Architekt Tibor Szivessy aus den 1930er-Jahren wirken wie aus der Zeit gefallen.

Brigitte Röde - Planungsbüro Garten und Freiraum
50767 Köln
Deutschland

Galerie

Fliederbüsche und Rosen erfüllen den Raum mit ihrem süßen Duft, Schönastern (Kalimeris incisa 'Jürgen Wever') und Pfingstrosen (Paeonia lactiflora 'Sarah Bernhardt', Paeonia lactiflora 'Paula Fay') laden dazu ein, sich beim Spaziergang durch den Garten einen Blumenstrauß ins Haus zu holen. Kleine Sitzecken fordern zum Müßiggang auf, zum Genießen lauer Abende. Es ist ein Garten, der im besten Sinne des Wortes altmodisch ist und sich in das altehrwürdige Villenviertel Hegyvidék einfügt. „Zuerst fielen mir die großen Bäume auf, die Papiermaulbeerbäume (Broussonetia papyrifera) und die alten knorrigen Obstbäume. Sie sind ganz typisch für die Region und konnten die letzten Jahrzehnte ungestört wachsen“, erinnert sich Brigitte Röde an ihren ersten Besuch. Daher war es für die Landschaftsarchitektin auch eine Selbstverständlichkeit, diesen alten prägenden Baumbestand früh in ihre Umbaupläne einzubinden und zu erhalten. Zumal die Baumart mit den samtigen Blättern gut mit Trockenheit zurechtkommt und selbst auf sandigen Böden wächst. Typisch für die Region ist das pannonische Klima mit warmen, trockenen Sommern und kalten Wintern. Ergänzt wird der Altbestand nun durch landestypische Gehölze wie Quitte (Cydonia oblonga) oder Sauerkirsche (Prunus cerasus), die ebenfalls mit diesen Bedingungen klarkommen. Auch alte Feigen- und Mandelbäume sowie Zypressen wuchsen dort bereits, die an mediterrane Gärten denken lassen. Dieses Flair griff Brigitte Röde auf und gestaltete den verwilderten Garten in einen romantischen Garten mit mediterranem Charme um, der sich an die klassische Villenarchitektur anpasst. Ein herausforderndes Projekt, mussten doch alle Besprechungen in drei Sprachen abgehalten werden – auf Deutsch, Englisch und Ungarisch. Eine weitere Schwierigkeit ergab sich durch die Hanglage. Die Topografie rund um Budapest ist sehr bewegt, deshalb weist auch das Grundstück einen Höhenunterschied von fünf Metern auf. Also wurde das Grundstück terrassiert, um nutzbare Ebenen zu schaffen. „Wir wollten uns an die vorhandenen Höhen halten, gleichzeitig aber auch gerade Ebenen schaffen, damit man Liegen, Tische und Stühle aufstellen kann“, erklärt Brigitte Röde. So entstanden einzelne Terrassenebenen, denen verschiedene Nutzungen zugeordnet wurden. Der rückwärtige Garten bietet genug Platz für große Gesellschaften und für ein Gartenhaus. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen hier noch eine Außenküche mit Überdachung und eine große Pergola hinzukommen. Hecken trennen diesen rückwärtigen vom mittleren Gartenbereich ab, der verschwiegene Sitzplätze bietet, etwa an der Natursteinmauer im Schatten alter Bäume. Ein Wandbrunnen untermalt das Bild entspannter Zeitlosigkeit mit seinem unablässigen Geplätscher. Mauer und Brunnen sind aus lokalem Sandstein. Dieser Naturstein ist ganz typisch für das Stadtviertel und wurde daher neben Basalt auch für die Wege verwendet. Der Basalt, eingesetzt für die Pflasterung und Beeteinfassung, schafft eine Verbindung zum Haus, das ebenfalls Elemente (Fenster, Geländer) aus diesem Naturstein vulkanischen Ursprungs besitzt. Offen und repräsentativ zeigt sich schließlich der Vorgarten zur Straße hin. Letztes Jahr war die Landschaftsarchitektin nochmals zu Besuch in diesem romantischen Villengarten, der nun wieder einen passenden Rahmen für die hübsche Villa bietet. Er ist ein Ruhepol in der Geschäftigkeit der ungarischen Millionenmetropole – ein Ort zum Aufatmen, an dem es einem leicht gemacht wird, die Welt mit ihrer Betriebsamkeit zu vergessen.