Wohnterassen im Naturparadies

Nach dem trockenen Hitzesommer im Jahr 2018 war der ausgedorrte Rasen in diesem Garten ein Sanierungsfall. Doch damit wäre es nicht getan gewesen, denn das Potenzial des Grundstücks mit weitem Blick auf die Bergkulisse der Voralpen war bisher nicht genutzt worden. Eine Sanierung des Rasens hätte keinerlei Aufwertung gebracht.

Josef Dietziker, Gartenarchitekt
8733 Eschenbach
Schweiz

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Die Rasenfläche war zu stark geneigt, das Grün am Rand angeordnet, die erhöhte Terrasse funktionell ans Haus montiert ohne Atmosphäre, die Aussicht in die Landschaft sogar teilweise versperrt“, zählt Josef Dietziker die Probleme auf. Daher stand für den Gartenarchitekten fest: Hier hilft nur eine komplette Umgestaltung, die aus dem beziehungslosen Nebeneinander von Haus und Grünfläche eine Einheit formt und diese dann mit der Landschaft verbindet. Das Haus steht auf ehemals sumpfigem Terrain. Daher wurde das Wohngeschoss angehoben, sodass es zu einer abrupten Abstufung von ca. 60 cm kam und der Wohnraum mitsamt Holzterrasse vom tiefer liegenden Garten abgekoppelt war. „Es gab kein Geländer, sodass die Terrasse wegen der Absturzgefahr nie bis zur Kante genutzt werden konnte. Dadurch fühlte man sich an die Hauswand gedrängt“, berichtet Josef Dietziker. Also wurden die Terrainhöhen grundlegend verändert und vom Wohngeschoss her erschlossen. Nun leitet eine sanfte Höhenabstufung von der Terrasse auf den Holzsteg und von dort auf den Kies- und Liegeplatz. Eine letzte Stufe führt schließlich zum Rasen mit nahtlosem Übergang in die freie Landschaft. Dafür musste die Rasenfläche wegen der starken Neigung noch um 30 cm angehoben werden. „So konnte eine harmonische Landschaft modelliert werden, in der die einzelnen Gartenräume ihren richtigen Platz nach dem Grad ihrer Bedeutung bekommen“, erklärt der Gartenarchitekt. Eine Sitzmauer aus Sandstein und ein langer Metalltrog mit reichlich Platz für eine duftende Kräutergesellschaft erweitern die Holzterrasse, rahmen sie ein und schaffen so Geborgenheit. Die beiden säulenförmigen Zypressen (Cupressus) sind bewusst nahe am Haus gepflanzt und betonen die Sichtachse, die vom Haus über den Holzsteg in die freie Landschaft verläuft. So hat der Innenraum an Attraktivität und Weite gewonnen. Stauden und Gräser sind eigenen Lebensbereichen zugeordnet und erhöhen die Biodiversität im Garten: Eine Freifläche mit wiesenähnlichem Charakter (Böschungsränder entlang des Kiesplatzes und des Holzstegs), eine Bepflanzung mit Steppenheidecharakter (Kräutergarten im Trog) und Felssteppen (Kiesbeet vor Metalltrog) bieten artenreiche Lebensräume. Das gepflegte Rasenstück in Hausnähe geht in einen Blumenrasen, später in eine angelegte Blumenwiesenböschung und schließlich in die freie Natur über. Gräser wie Amethyst-Schwingel (Festuca amethystina), Perlgras (Melica ciliata), Zartes Federgras (Stipa tenuissima) und Stauden wie Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis), Wiesenflockenblume (Centaurea jacea) und Tauben-Scabiose (Scabiosa columbaria) sind die Hauptakteure. Sie korrespondieren mit der nährstoffarmen Blumenwiesenböschung (Fromentalwiese, die blumenreichste Art im Schweizer Mittelland) und der sich anschließenden landwirtschaftlichen Wiese. So wirkt der Garten nahezu grenzenlos.