Verwunschener Familiengarten am Rhein

Ungewöhnlich, fantasievoll, detailreich und einladend zugleich – so wirkt dieser Familiengarten. Ein Garten, der den Eindruck erweckt, als wäre er über Jahrzehnte gewachsen, als hätten verschiedene Besitzer ihre jeweilige „Handschrift“ dort hinterlassen, indem sie ihn immer wieder an ihre Vorlieben und Bedürfnisse anpassten. Wie sich in einem alten Garten Bäume mit Japanischem Ahorn, Bambus, Stauden und Zwiebelpflanzungen im Zusammenspiel mit großen Naturstein-Elementen entwickeln – Neues hinzukommt und Altes verschwindet –, so sollte dieser natürliche Prozess in kurzer Zeit nachgebildet werden. Anfangs irritierend erschien das Konzept, verschiedene Gartenkulturen aus Japan, England und Deutschland „übereinanderzulegen“. Die einzelnen Elemente und die verschiedenen Orte führten aber zu einer erstaunlichen Dichte spezifischer Räume mit einer großen Fülle und Vielfältigkeit. Den Sinnen wie auch den Aktivitäten der Erwachsenen und der Kinder im Haus wird hier gleichermaßen Rechnung getragen. Die sorgfältig gewählten und verarbeiteten Materialien wie Basalt, schalungsrauer Beton und Eichenholzschindeln sind stimmig und fügen dieses „Biotop“ zu einem harmonischen Ganzen. Der Garten ist in der Nachbarschaft als eigenständiger Beitrag erkennbar und fügt sich dennoch gut ein.

FFLO - James Fox
TN4 8NX Tunbridge Wells
Deutschland

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Tatsächlich ist dies aber eine komplette Neuanlage. „Die schönsten Gärten sind jene, bei denen die Besitzer Elemente hinzufügen, Pflanzen ergänzen oder entfernen, um ihr Grün fortwährend zu perfektionieren. Unser Wunsch war es, diesen Prozess so zu komprimieren, dass solche Überlegungen von Beginn an sichtbar werden“, erklärt Mathias Forster die Idee. Sie stammt von dem englischen Landschaftsarchitekten James Fox – umgesetzt hat sie Mathias Forster mit seinem Team in einer von gegenseitigem Vertrauen geprägten Zusammenarbeit. Damit der Garten tatsächlich wie über die Jahre gewachsen wirkt, hat James Fox Gestaltungsansätze aus unterschiedlichen Kulturen übereinandergelegt und miteinander verbunden. So orientiert sich beispielsweise die Struktur am Japanischen Garten, doch anstelle kleiner Trittsteine wurden große Natursteinelemente verwendet, die nun die Übergänge, Terrassen und Freisitze bilden. Klarheit und Sachlichkeit stehen für den deutschen Gestaltungsstil: Materialien wie schalungsrauer Beton und regionaler Mengener Basalt, aber auch die organische Form des Baumhauses mit seinem Dach aus Eichenholzschindeln stehen für diesen Stil und schaffen einen Bezug zur Umgebung. Natürlich sind auch Einflüsse der englischen Gartenkunst spürbar, etwa wenn es um Dynamik geht, die hier sicht- und erlebbar wird: „Ein Garten entwickelt sich ständig weiter, sowohl was das Wachstum und die Entwicklung der Pflanzen betrifft, als auch das jahreszeitliche Wechselspiel der Farben“, erklärt Mathias Forster. Sicherlich eine Herausforderung, all dies unter einen Hut zu bringen und zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen. Doch mit dem durchgehenden Pflanzenkonzept und dem Naturstein gelingt es, die Gartenräume einfühlsam zu verbinden. Pflanzen in Verbindung mit Naturstein sind demnach auch die Hauptakteure im Garten. Das Pflanzkonzept greift die verschiedenen Gartenstile auf, etwa mit Japanischem Fächerahorn (Acer palmatum 'Osakazuki') als wertvollem Solitär oder hohem Bambus als Sichtschutz. Stauden, Gräser und Blattschmuckstauden rahmen Haus und Wege. Manchmal machen sich zwischen den Stauden Kürbisse breit; dazwischen schwingen sich hohe Spinnenblumen (Cleome spinosa) mit ihren filigranen Blüten in luftige Höhen. Kapuzinerkresse wächst aus den Fugen der Platten, wie es oft in älteren Gärten zu sehen ist. Es ist kein strenger Garten, keiner, bei dem jeder Grashalm, jedes Blatt, jede Blüte nur nach Vorgabe und am vorgesehenen Platz wachsen darf. Vielmehr sind die Natursteinarbeiten so geplant worden, dass sie mit den Stauden im Laufe der Jahre zu einer Einheit verschmelzen. Das wirkt lebendig und als sei der Garten schon immer so gewesen. „Ein Garten muss lebendig sein. Bei der Gestaltung sollte man auch an die Kinder und ihre Bedürfnisse denken. Gärten, die nur zum Anschauen da sind, gefallen mir nicht“, sagt Mathias Forster. In diesem Familiengarten darf gelebt, gespielt und gefeiert werden – und natürlich darf jede Generation auch ihre ganz persönlichen Vorlieben einbringen und Spuren hinterlassen.