Second Life

Alles fing mit einem alten Apfelbaum an, einem ganz besonderen Exemplar. Viele Jahre stand dieser 50 Jahre alte Baum mit seiner ausladenden Krone im Garten der Großmutter, bis er eines Tages weichen musste. Für Simon Rüegg nicht hinnehmbar, er rettete den Baum, ließ ihn mitsamt kompaktem Wurzelballen ausgraben und im eigenen Garten an prominenter Stelle wieder einsetzen: in der Mitte der Rasenfläche „Ich wollte und musste für diesen Baum einen Platz schaffen, den er in meinen Augen verdient“, so der Landschaftsarchitekt.

Simon Rüegg Landschaftsarchitektur AG
8636 Wald
Schweiz

Galerie

So hielt die erste Pflanze Einzug in den kleinen Familiengarten, hoch über dem Zürichsee. Um diesen alten Baum herum wurde der Garten geplant und angelegt. Weitere gerettete Pflanzen kamen hinzu, wie der Japanische Fächerahorn (Acer palmatum 'Bloodgood'), „Opfer“ eines Neubauprojektes in Zürich. Jeder Baum hat eine Geschichte, zu ihnen pflegt Simon Rüegg eine besondere Bindung: „Diese charakteristischen Gehölze werden in Szene gesetzt und fügen sich zum großen Ganzen. Sie verleihen dem Garten ein verspieltes Flair und lassen ein starres, geradliniges Objekt lebendig wirken.“ Vor dem Umbau führte ein mächtiges Zyklopen-Mauerwerk, das den steilen Hang abfing, zu engen Platzverhältnissen. Um mehr nutzbare Fläche für die 6-köpfige Familie zu schaffen, ersetzte es Simon Rüegg durch eine Stützmauer aus Ortbeton. Im unteren Hangabschnitt entstand dadurch Platz für eine Garage und eine Verbindung zur Eingangstür. „So konnte die ebene Fläche fast verdoppelt und nutzbarer Raum gewonnen werden“, berichtet der Landschaftsarchitekt. Insgesamt gibt es nun drei Gartenräume, wo früher nur Böschung war: den Wohnund Essbereich auf dem Holzdeck, einen kleinen Rückzugsort hinter dem Haus und einen Bereich vor dem Haus, der sich zum Spielen und Toben für die vier Kinder eignet. Jeder Raum wird geschickt genutzt, sodass sogar noch ein kleiner Zierbrunnen für akustische Untermalung Platz findet. Geschwungene Pflanzbeete mit Ziergräsern (Pennisetum alopecuroides, Stipa tenuissima), Eisenkraut (Verbena bonariensis) und Herbst-Anemone (Anemone hupehensis, Anemone japonica) sind gekonnt aufeinander abgestimmt. Den Balkon kleidet ein Chinesischer Blauregen (Wisteria sinensis). Die Betonwand am Holzdeck erklimmen drei buschige Kletterhortensien (Hydrangea anomala ssp. petiolaris). Ein Glücksfall war, dass Simon Rüegg den Nachbargarten ebenfalls gestalten und die Pflanzenauswahl der beiden Nachbargärten aufeinander abstimmen konnte. Beim Nachbarn setzte er z.B. einen Eisenholzbaum (Parrotia persica) – ein ebenso prächtiges Exemplar pflanzte er auf seinem eigenen Grundstück. Jeder Garten wirkt für sich, doch durch die übergreifende Gestaltung erscheinen beide größer als sie tatsächlich sind. Große Sorgfalt verwendete er auf die Materialwahl – Muschelkalk bei Bodenplatten und Mauersteinen zieht sich konsequent durch den Garten. „Für mich sind kleine Gärten die Königsdisziplin, und deren Anzahl wird weiter zunehmen. Die Ansprüche an einen Garten werden immer größer. Er soll Wohn- und Stauraum sowie ausreichend Spielfläche bieten, aber gleichzeitig auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Entscheidend ist die Konzentration auf das Wesentliche und das sind für mich immer noch die Pflanzen, sie liegen mir am meisten am Herzen.“ Was Simon Rüegg mit seinem einladenden Familiengarten beweist: Ein Garten muss mitnichten groß sein, um etwas zu bieten. Vielmehr kann man auf kleiner Fläche viel erreichen, wenn man den Raum gliedert, auf das Material achtet und bereit ist, etwas wegzulassen.