Pflanzenerlebnis im Reihenhausgarten

Aus dem Ländle kommt ein schönes Beispiel einer Reihenhausbebauung jenseits des fantasielosen Aneinanderreihens von schmalen Häusern mit Handtuchgärten. Die Bebauung ist hier zwar auf Straßenniveau mit Hauseingang und Garage geschlossen, die Reihenhäuser lösen sich dann aber im Wohngeschoss zu Einzelhäusern auf, sodass Licht von allen Himmelsrichtungen durch die Fenster fällt.

Wolfgang R. Mueller
47877 Willich
Deutschland

Galerie

Doch nicht nur dies ist ungewöhnlich an dem Projekt. Hier wurde das Dach einer Garage zu einem geschützten sonnigen Gartenhof umgewandelt – eine bessere Nutzung lässt sich kaum denken. Dafür wurde die Statik überprüft, die Garagendecke entsprechend verstärkt und abgedichtet. Ein Hochbeet mit Sitzbank fasst nun die Pflanzfläche ein, die von den Blütenbüscheln der Polyantha-Rosen, von den bewegten Halmen des Lampenputzer- (Pennisetum) und Federgrases (Stipa), von Lavendel, Rudbeckien (Rudbeckia) und Sedum-Arten belebt wird. Auf der Rank-Konstruktion zur Hauswand des Nachbarn klettern Geißblatt, Kletterrosen und Blauregen um die Wette und geben dem uneinsehbaren Gartenhof Struktur. Den immergrünen Abschluss dort bildet eine mehrstämmige Mädchen-Kiefer (Pinus parviflora), die ursprünglich in Asien beheimatet ist. Wie schön, wenn jetzt der Blick aus dem Wohnzimmer auf das lebendige Grün statt auf die leblose Wand des Nachbarhauses fällt. Selbst der Frühling hält auf dem „Garagendach“ mit Krokussen, botanischen Tulpen und Narzissen Einzug. „Wir arbeiten stark mit der Pflanze. Im Garten soll man die Natur das ganze Jahr erleben, die Jahreszeiten hautnah mitbekommen. Heutzutage werden Pflanzen ja meist zu formalen Zwecken missbraucht“, sagt Landschaftsarchitekt Wolfgang R. Mueller. In die Pflanzenvielfalt sind Elemente fernöstlicher Gartengestaltung wie Steinlaternen, Steinfiguren und Tröge integriert – es sind Erinnerungsstücke der Familie aus einem mehrjährigen Aufenthalt in Korea. Dazu passen Gehölze wie Eisenhutblättriger Japan- Ahorn (Acer japonicum 'Aconitifolium'), Chinesischer Blumen-Hartriegel (Cornus cousa var. chinensis), Zaubernuss (Hamamelis mollis) und Zierkirsche (Prunus serrulata 'Shirofugen'), die im Hauptgarten auf der Südseite die Faszination fernöstlicher Gärten erahnen lassen. Zu solch einer Gestaltung gehört Wasser – in diesem Fall grenzt ein Wasserpflanzen- und Seerosenbecken an die großzügige Holzterrasse, die sich aus dem Wohn- und Esszimmer entwickelt. Eine streng geschnittene Buchenhecke begrenzt die Rosen-, Stauden- und Gräserbänder am Wasserbecken und begleitet den Weg aus großformatigen Platten bis zum Gartensitzplatz im rückwärtigen Bereich. „Die Grundgestaltung wird zwar von klaren Formen bestimmt. Der formalen Strenge steht aber die artenreiche Bepflanzung gegenüber, die eine Eigendynamik entwickelt“, erklärt Wolfgang R. Mueller. Sichtschutz zur hohen Nachbarbebauung bieten Hainbuche (Carpinus betulus) und Eberesche (Sorbus aucuparia), die von Blütengehölzen wie Schneeball (Viburnum) und Spiersträuchen (Spiraea) begleitet werden. Umfriedet wird dieser ungewöhnliche Reihenhausgarten von einer Eiben-Hecke und einer Böschung aus Weißdorn (Crataegus monogyna), Hartriegel (Cornus) und Wildrosen (Rosa) – wertvolle Vogelschutz- und Nährgehölze, die man heutzutage viel zu selten in Landschaft und Gärten findet.