Okiniiri no basho

Der Schweizer Landschaftsarchitekt Ben Uhlmann ist ein großer Japan-Fan und Verehrer der japanischen Gartenkunst. Daher hat er diesem Projekt auch den Namen „Okiniiri no basho“ gegeben – zu deutsch schlicht: Lieblingsort. Und zu einem solchen ist der kleine Garten auch für seine Besitzer geworden.

Gartenkultur AG
3322 Urtenen-Schönbühl
Schweiz

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Entgegen des Trends, Grundstücke mit immer größeren Häusern auf Kosten des Gartens zu bebauen, entschieden sie sich bewusst für ihr Grün und machten es zu einem Wohnraum unter freiem Himmel. „Es ist ein Garten in japanischem Design im urbanen Raum, der ständig gebraucht wird. Die Bauherren haben ihr Leben in den Garten verlagert und nutzen ihn sogar im Winter mit den von uns erstellten Kissen und mit Schaffellen“, berichtet Ben Uhlmann. Der Schweizer Gartengestalter machte aus einem überwachsenen kleinen Garten von gerade einmal 275 m² einen intimen Saunagarten, in dem sogar ein formales Wasserbecken und ein kleiner Senkgarten mit Sitzlounge Platz finden. Das Becken mit einer Tiefe von 60 cm reicht aus, um sich nach dem Saunagang darin abzufrischen. Besonderen Wert legte Ben Uhlmann darauf, dass die Aussicht von den bodentiefen Fenstern der Wohnräume in den Garten durch nichts verstellt wird. So reicht der Blick vom Wohnzimmerfenster über das Holzdeck mit Pergola und die Wasserfläche bis in die Tiefe des Gartens. Das wirkt großzügig und macht den kleinen Gartenraum hell und weit. Ganz nah am Haus hat Ben Uhlmann den Senkgarten mit Lounge und das rechteckige Wasserbecken platziert. „Der Pool steht millimetergenau zum Wohnhaus. Wir haben die Folie direkt an das Fundament des Hauses gesetzt, damit man vom Wohnzimmer auf das Wasser schauen kann“, erklärt der Landschaftsarchitekt. Dank reflektierender Wasserfläche wird so mehr Licht ans Haus geholt – gleichzeitig wirkt der Gartenraum großzügiger, da Innenräume, Holzdeck und Wasserfläche für den Betrachter auf einer Ebene liegen. Der Senkgarten mit Sitzlounge liegt wiederum tiefer als der Wasserspiegel im Becken, sodass sich die Perspektive verändert. Zu der Idee mit dem tiefer gelegten Sitzplatz inspirierte Ben Uhlmann die japanische Teezeremonie, bei der man, auf den Fersen kniend, am Boden sitzt. „Wenn man nur wenig Platz hat, kann man entweder in die Höhe oder in die Tiefe gehen. Von einem tieferen Platz verändert sich die Perspektive auf den Garten, sodass die Wasserfläche, ja der ganze Garten ungleich größer wirken“, so der Gartengestalter. Um vor der Pergola und dem Wasserbecken am Haus mehr Raum zu gewinnen, wurden 60 m³ Erdreich ausgebaggert. Dadurch entstand ein Garten auf zwei Ebenen. Tonnenschwere Felsen markieren den Übergang zum höheren Bereich, denen die dichte Bepflanzung aus kugelig geschnittenen japanischen Azaleen ihre Schroffheit nimmt. Eine immergrüne Frühlings-Duftblüte (Osmanthus x burkwoodii) verleiht dem Raum Tiefe und verströmt ihr süßes Parfum im April und Mai. Sie macht eine ebenso gute Figur in japanisch gestalteten Gärten wie der Rote Fächer-Ahorn (Acer palmatum 'Bloodgood'), der mit seinem dunkelroten Blattwerk mit der Fassade des Hauses korrespondiert. Immergrüner Schirmbambus (Fargesia robusta 'Campbell') bietet dem Saunagarten mit seinem dichten Wuchs Sichtschutz zur Straße und schafft gleichzeitig eine Verbindung zum Bambus-Sichtschutz des Nachbargartens. Kiwis (Actinidia deliciosa) erobern eine Stahlkonstruktion und erweitern den Raum in der Vertikalen. Kaum jemand käme auf die Idee, dass man sich mitten in einem dicht bebauten Wohngebiet befindet, so ruhig, friedlich und kuschelig ist es hier – eben ein echter Lieblingsort.