Klein und Fein

Verspielt, bunt, biodivers – ein Naturgarten wie aus dem Bilderbuch. Und dafür braucht man noch nicht einmal viel Platz: Dieser hier entstand auf einem typischen Handtuch-Grundstück, wie sie in dicht bebauten Gegenden die Regel sind: 10 Meter breit, 27 Meter lang und gegen die Nachbargrundstücke ausgestellt. Dieses grüne Kleinod ist ein schöner Beweis dafür, dass man auch auf kleiner Fläche die Vielfalt der Natur in den eigenen Garten holen kann, statt sich mit einer einfallslosen mit Thujen abgepflanzten Rasenfläche zufriedenzugeben.

Hariyo Freiraumgestaltung GmbH
5408 Ennetbaden
Schweiz

Galerie

Nur gute Ideen muss man dafür haben, so wie die Landschaftsarchitektin Anja Gut und der Gartenbautechniker Andreas Dössegger. Die beiden Schweizer Planer gaben dem langgestreckten Grundstück eine abwechslungsreiche Struktur, die Lust auf Erkundung macht. Es entstanden ein großer Nutzgarten, verschiedene Sitzplätze und sogar eine Bademöglichkeit in einem kleinen Naturteich. „Den schmalen Garten in Räume aufzuteilen und dennoch nicht zu überladen, war eine Herausforderung“, sagt Andreas Dössegger. Doch überladen ist hier nichts – im Gegenteil, der Naturgarten wirkt luftig-leicht wie eine Sommerbrise. Sein Herzstück ist der kleine naturnah gestaltete Badeteich, den sich die Familie trotz der überschaubaren Grundstücksgröße wünschte. Dort kann man sich wie in eine Badewanne hineinsetzen und an heißen Tagen abfrischen. „Der sehr kleine Badeteich mit Quellstein und Unterwassersitzmauer ist für uns in dieser Größe einzigartig. Das Badewasser lässt sich mit dem Wasser in einem natürlichen Stillgewässer vergleichen“, erklärt Andreas Dössegger. Ein durchgehender, blickdichter Sichtschutz entlang der langgezogenen Grundstücksgrenzen sorgt dafür, dass man dabei seine Privatsphäre hat. Das schafft gleichzeitig einen klar definierten, in sich geschlossenen Gartenraum. Dabei kommt aber nie das Gefühl von „eingesperrt sein“ auf – dank des Höhenspiels der Bepflanzung vor und an den Sichtschutzwänden, die zudem von Kletterern wie dem robusten Rambler 'Super Dorothy' (Rosa) und dem Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum) erobert werden. „Die Vorpflanzung der verschiedenen Sichtschutzelemente lässt diese raffiniert in den Hintergrund treten und bietet eine attraktive, biodiverse und ganzjährig blühende Bepflanzung im Stil einer 'Mini English Border'“, erläutert Andreas Dössegger. Aber natürlich ist der Teich mehr als ein Abfrischbecken für heiße Sommertage. Er ist der Blickfang im Garten und vermittelt immer wieder neue Stimmungsbilder je nach Tages- und Jahreszeit. Mit seiner lebendigen Gestaltung und der vielfältigen Bepflanzung aus Blutweiderich (Lythrum salicaria), Breitblättrigem Froschlöffel (Alisma plantagoaquatica), Gewöhnlichem Tannenwedel (Hippuris vulgaris), Seerose 'James Brydon' (Nymphaea) und Zyperngras (Cyperus longus) ist er gleichzeitig ein wertvolles kleines Ökosystem. Einen Blickfang in der Vertikalen bieten die Sitzmauer, eine Trockenmauer aus Luserna Gneis und die mehrstämmige Felsenbirne (Amelanchier lamarckii), die als Solitär eine gute Figur macht. Überhaupt ist die artenreiche Bepflanzung das Rückgrat dieses Naturgartens – sie verbindet alle Elemente miteinander und verleiht dem Garten trotz geringer Größe sein wildes, natürliches Erscheinungsbild. Das Haus mit seiner Holzfassade und dem mit einer Glyzine (Wisteria) berankten Vordach bietet eine ähnlich rustikale Optik und passt zum Garten. Abgerundet wird das Bild dieses Bilderbuch- Naturgartens mit einer Kompost- Ecke inklusive Asthaufen, einem Insektenhotel, Obst- und Beerensträuchern sowie einer artenreichen Staudenbepflanzung, die Nahrung und Lebensraum für Vögel und Insekten bietet.