Im Großstadt-Dschungel

Dies ist eine typische Situation in einem engen Wohnquartier mitten in der Stadt: ein kleiner schattiger Garten, umgeben von einer historischen Backsteinmauer, dahinter verschieden hohe Gehölze in den Nachbargärten, die für einen unruhigen Hintergrund sorgen. Den Garten selbst dominiert ein mächtiger zweistämmiger Bergahorn (Acer pseudoplatanus), darunter kümmert Rasen.

Terramanus Landschaftsarchitektur
53173 Bonn
Deutschland

Galerie

Eines war für Manuel Sauer klar: Eine klassische Grünordnung mit zentralem Rasen, begleitender Pflanzfläche und Hecke funktioniert hier nicht. Von diesem Standard-Denken in der Raumbildung löst sich der Garten- und Landschaftsarchitekt aus Bad Godesberg nur allzu gerne. Auch die Familie war Neuem gegenüber aufgeschlossen. Sie wollten einen klar strukturierten, lebendigen Garten mit einem möglichst langen Pool trotz kleiner Grundstücksgröße. „So entstand die Idee eines eher nüchtern konstruierten Gartenwohnraumes, der mit spontan üppiger Natur im Kontrast zu einer wohligen Stadt-Oase erwächst“, beschreibt Manuel Sauer seinen Planungsansatz. Als zeitgleich mit dem denkmalgeschützten Wohngebäude auch der kleine Garten saniert wurde, entstanden drei Gartenzugänge: über eine Wendeltreppe vom Balkon des oberhalb liegenden Erdgeschosses und zwei weitere vom ebenerdig liegenden Untergeschoss aus. Die mittige Anordnung dieser Zugänge gliedert den Raum nun in drei Flächen: in eine zentrale großzügige Terrasse mit dem Bergahorn als bestimmendem Element des Gartens, in eine langgestreckte Wasserachse (Pool) und in einen zusammenhängenden Pflanzbereich. Wichtig war Manuel Sauer, die Flächenanteile jeweils großzügig zu bemessen, auch die Belagsflächen, was den Eindruck der Weiträumigkeit fördert. Sein zweites Ziel war es, für die Bepflanzung einen möglichst zusammenhängenden Platz zu schaffen, der auch üppigere Gräser erlaubt. Schwierig war vor allem die Unterbringung des Pools mit immerhin 11 Metern Länge auf dem kleinen Grundstück. Damit der Wurzelbereich des alten Ahorns dabei nicht beschädigt wird, überspannt ein schwebend anmutendes Holzdeck diesen Bereich. „So wird der Baum wurzelschonend zum markanten Endpunkt der Terrasse erhoben“, sagt Manuel Sauer. Um dem Gartenbild ein Höchstmaß an Ruhe zu verleihen, hat der Landschaftsarchitekt Achsialität und Symmetrie konsequent umgesetzt und z. B. die Fugenbilder der Belagsflächen millimetergenau durchgeplant. Quer zu den Natursteinplatten der Terrasse verlaufen die Dielen des Holzdecks, das über dem Wasserbecken und der Pflanzung „schwebt“. Es ist dieses Verbinden von Flächen, dieses Überlagern, das der Gartengestalter gezielt sucht. Damit die Überlagerung von den Pflanzen nicht überwachsen wird, umrahmen niedrige Stauden wie Elfenblumen (Epimedium), Funkien (Hosta) und Seggen (Carex) das Holzdeck. Dichte Gräsergruppen aus Pampasgras (Cortaderia selloana) und Garten-Reitgras (Calamagrostis x acutiflora) beleben zusammen mit Bändern aus Taglilien (Hemerocallis) die sonnigen Bereiche; unter dem Blätterdach des Bergahorns verbreiten Farne und Schattenstauden Dschungel-Feeling mitten in der Großstadt. Ein ganz individueller Stadtgarten, der mit seiner historischen Backsteinmauer und dem charaktervollen Ahorn so nur an diesem Ort entstehen konnte.