Garten der Horizonte

Einst verlief hier am Ratzeburger See im Südosten Schleswig-Holsteins die innerdeutsche Grenze. Das flache östliche Ufer gehörte zur damaligen DDR, die westliche Seite mit ihren steilen Böschungen zur Bundesrepublik. Heute zählt das Gebiet zum Naturpark Lauenburgische Seen, das für seine abwechslungsreiche Landschaft aus Hügeln, Wäldern, Feuchtgebieten und zahlreichen Seen bekannt ist. Dieses Grundstück liegt auf der böschungsreichen Westseite: Vom oberen Garten mit dem Wohnhaus sind es ganze 15 Meter Höhenunterschied bis zur unteren Ebene – eine für Holstein ungewöhnlich steile Hanglage.

Gärtnerei Hennings
24601 Belau
Deutschland

Galerie

Dafür kann man von hier oben weite Teile des Sees überblicken. Versteht sich von selbst, dass Gärtnermeister Torsten Hennings diese Perspektive hervorgehoben hat. Es ging aber nicht nur um den schönen Seeblick: Denn ursprünglich waren dies einmal zwei lange, schmale Nachbargrundstücke, die zu einem Garten zusammengefügt wurden. Auf dem neu erworbenen Grundstücksteil wurde ein Backhaus errichtet, ein moderner Bau mit vollständig verglasten Frontseiten. Dieses neue Gebäude galt es, in den Garten zu integrieren. Zunächst wurde der Hang in verschiedene Ebenen terrassiert: Im unteren Teil gestaltete Torsten Hennings organische Hänge, die mithilfe invasiver Stauden wie etwa Flachem Kaukasus-Beinwell (Symphytum grandiflorum) und ähnlich stark wachsenden, gut bodengreifenden Arten stabilisiert werden. Dort, wo die Räume kleiner werden oder Terrassen und feste Flächen angeschlossen sind, übernehmen kunstvoll aufgeschichtete Trockenmauern diese Aufgabe. Im oberen Garten am Wohnhaus sind sie einem Friesenwall aus runden Findlingen und regionalem Geröll nachempfunden. Den Bereich um das neue Backhaus terrassieren dagegen Muschelkalk- Blocksteine, welche die strenge Geometrie des Gebäudes aufnehmen. Die Natursteinmauern binden das moderne Bauwerk zusammen mit den Schirmgehölzen in den Garten ein. Für diese Aufgabe hat Torsten Hennings Kornelkirsche (Cornus mas) und Eingriffeligen Weißdorn (Crataegus monogyna) gewählt, robuste Wildgehölze, die Trockenheit vertragen und Insekten und Vögeln Nahrung bieten. Da der Bau auch für Seminare und Lehrgänge genutzt wird, umgeben ihn große Freiflächen. „Entscheidend war, dass wegen der zunehmenden Starkregen-Ereignisse nicht mehr Wege und Flächen versiegelt werden als unbedingt nötig“, betont Torsten Hennings. Daher hat er mit einer wassergebundenen Wegedecke aus Sabalith gearbeitet und die Sitzflächen offen gepflastert, sodass auch sie Wasser aufnehmen können. Die tragfähigen Wegedecken speichern das Regenwasser und geben es sukzessive an den Untergrund ab. So waren keine zusätzlichen Entwässerungseinrichtungen am Backhaus nötig. Um die Gartenteile zu einer Einheit verschmelzen zu lassen, wurde die Bepflanzung grundstücksübergreifend neu gestaltet. Im oberen Garten am Wohnhaus bilden Staudenpflanzungen bereits dichte Bestände. Ihr Schwerpunkt liegt auf den Sommermonaten, da der Garten vor allem in der warmen Jahreszeit genutzt wird: Ab Mitte Juni bis in den Spätsommer bieten Roter und Weißblühender Sonnenhut (Echinacea purpurea 'Magnus' bzw. 'Alba'), Echter Lavendel (Lavandula angustifolia), Hoher Staudenphlox (Phlox paniculata-Hybriden) und Pracht-Salbei (Salvia patens 'Royal Blue') mit ihrem Blütenschmuck das Bild des üppigen Sommergartens – inklusive dem dazugehörigen Insektenleben. Rispen-Hortensien begleiten als durchgängiges Element im vegetativen Bereich den gesamten Garten von der unteren bis zur oberen Ebene. Sie werden u. a. mit Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum 'Ingwersens Variety') kombiniert. „Es ist eine an den Landstrich angepasste Vegetation – auf große Exoten haben wir bewusst verzichtet“, sagt Torsten Hennings. Bei der Gestaltung wurde innerhalb des Gartens wert auf Transparenz gelegt. Und – besonders wichtig bei dieser Lage: Von allen Sitzplätzen kann man nun einen weiten Blick über große Teile des Ratzeburger Sees genießen.