Ein grünes Gesamtkunstwerk

Am Rande eines kleinen Weilers liegt diese gewachsene Einheit aus Haus und Garten, sanft eingebettet in die geschwungenen Hügelketten des Tertiärhügellandes. Dass der Garten liebevoll gepflegt wird, sieht man ihm sofort an. Ganze 30 Jahre hatte er Zeit, sich zu einem „Vermittler zwischen Siedlung und Landschaft“ zu entwickeln. Waldränder, Feld- und Wiesenstreifen sind durch Heckenfenster und -tore in den Garten einbezogen – Sichtbeziehungen, die das Grundstück in der ländlichen Kulturlandschaft verorten.

LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung
85402 Kranzberg
Deutschland

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Er ist das Lebenswerk der beiden Landschaftsarchitekten Anneliese und Peter Latz. Ein Gesamtkunstwerk, das keine Hierarchien kennt. Alles hängt mit allem zusammen, ist nicht isoliert voneinander zu betrachten. Haus und Garten wurden zusammen erdacht, sind ein in sich funktionierender Kosmos. Das vierseitige Gebäude, in dem gelebt und gearbeitet wird, hat Peter Latz selbst entworfen, sein Wissen über alternative Technologien eingebracht. Es entstand aus einem alten Häuslerhaus, das vor gut hundertzwanzig Jahren auf dem einstmals feuchten Hanggrundstück errichtet wurde. Behutsam wurden dem alten Gemäuer Seitenflügel für das Wohnen und Arbeiten und ein vorgelagertes Glashaus angegliedert. So entstand ein geschützter Innenhof mit schlichtem Wasserbecken und einem Topfgarten für tropische Schönheiten wie Schmucklilien (Agapanthus). „Das Haus hat eine Außenschale aus Glas wie eine doppelte Haut, um den Energieverlust gering zu halten. Fotovoltaik wird als Indach-System (PV-Anlage seit 2018) genutzt, um damit einen Teil des hohen Energiebedarfs zu decken; Regenwasser sammeln wir und nutzen es zur Bewässerung“, erklärt der emeritierte Professor für Landschaftsarchitektur. Nachhaltigkeit ist für Anneliese und Peter Latz eben nicht nur ein Schlagwort – hier wird mit Ressourcen verantwortungsbewusst umgegangen. Das zeigt sich auch bei der Materialverwendung: Die Stützmauern zur Terrassierung der hausnahen Gartenbereiche bestehen aus alten Ziegelsteinen und Dachziegeln, die aus dem Abbruch von Nebengebäuden stammen. Material mit Patina, das zur natürlichen, warmen Atmosphäre des Hauses passt. Die intensiveren Bereiche um das Haus mit seinen berankten Holzveranden schützen dichte Strauchpakete aus Liguster (Ligustrum vulgare), Hainbuche (Carpinus betulus) und Feldahorn (Acer campestre) in der Tradition eines giardino segreto – ein rundliches Bollwerk gegen kühle Winde, das die Form der weichen Hügellandschaft widerspiegelt. Im Inneren herrscht ein günstiges Kleinklima für die einzelnen Gartenräume: für den Nutzgarten mit Gemüse und Kräutern, das Buchsbaum-Parterre, den Teichgarten und die verschwiegenen Sitzplätze in den Nischen. Schmale Pfade erschließen das Grundstück und verbinden die Gartenräume miteinander. „Von außen betrachtet, mag der intensive Teil des Gartens klein aussehen. Erst von innen erschließen sich die unterschiedlichen Räume, die ineinander übergehen“, erklärt Anneliese Latz. So wandert der Blick ungehindert vom Wintergarten zum Wassergarten mit dem Teich und durch ein geschnittenes Heckentor in die freie Landschaft. Es sind Bilder, die sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten, dem Wetter und den Lichtverhältnissen immer wieder ändern. Einen Höhepunkt im Juni bietet der Parterre-Garten nahe am Haus mit historischen Strauchrosen und Englischen Rosen. Sie werden von einem kunstvoll geschnittenen Buchs-Ornament eingefasst, das sich wellenförmig durch das Parterre zieht. „Es ist eine Hommage an den Garten des Castello Ruspoli in Vignanello und den Landschaftsbezug des Palazzo Piccolomini in Pienza – Renaissance- Gärten Italiens, die wir vor langer Zeit besuchten“, erklärt Peter Latz. Ein Pfad führt durch das Parterre mit Heckenfenster in die Landschaft als Zielpunkt. Dann geht es den Hang hinab in den Haselhain, der im Frühjahr von Feldern mit Buschwindröschen, Wildnarzissen, Blaustern und leuchtend gelben Himmelsschlüsseln überzogen ist. Außerhalb der mächtigen Hecke wird es extensiv. Dort erschließen Mähwege den Hang – eine ausgemagerte Blumenwiese mit Arten wie Storchschnabel (Geranium pratense), Schafgarbe (Achillea millefolium) und Flockenblume (Centaurea jacea) – bis hinab zur Grundstücksgrenze. Einst machten sich hier Brennnessel und Riesenampfer (Rumex obtusifolius) breit, da die Fläche heillos überdüngt war. Ganze 20 Jahre dauerte es, um den heutigen Zustand zu erreichen. Markante Endpunkte des weitläufigen Grundstückes bilden kleine Wäldchen. Anneliese und Peter Latz haben mit der Zeit die vom Vorgänger gepflanzten Fichten durch Sumpf-Eichen (Quercus palustris), Stieleichen (Quercus robur), Eschen (Fraxinus excelsior) und Traubenkirschen (Prunus padus) ersetzt. Sie erscheinen so wie Elemente der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft.