Ein Garten für das Klima

Der Klimawandel ist in aller Munde – jeden betrifft es, kaum einer macht etwas dagegen. Auch im Garten- und Landschaftsbau spielt ein schonender Umgang mit Ressourcen bisher nur eine geringe Rolle. Nachhaltigkeit ist meist nicht mehr als ein Schlagwort. Wolfgang und Petra Wette wollten es im eigenen Garten anders machen, ohne dass dies zwangsläufig auf Kosten der Gestaltung und Funktionalität geht.

Wette + Küneke Landschaftsarchitektur
37073 Göttingen
Deutschland

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Der Landschaftsarchitekt und seine Frau wollten ihren eigenen Familiengarten möglichst klimaschonend mit wenig neuem Material gestalten. Dafür wurden ausrangierte Materialien wiederverwendet, um Ressourcen zu schonen und Abfall zu vermeiden, wie etwa die ehemaligen Klinkerbeläge, die nun als Mähkanten zu neuen Ehren kommen. Sie wurden entfernt und durch Kiesbelege ersetzt, damit das Regenwasser an den Sitzplätzen versickern kann. Auch der nachhaltige Umgang mit Erden und Substraten ist für die Umwelt von großer Relevanz. Um das Quergefälle des Grundstückes auszugleichen, arbeitete Wolfgang Wette daher mit vorhandenem Material, ohne dass große Mengen an Substrat an- oder abgefahren werden mussten. Das ist ökologisch und wirtschaftlich zugleich. Vor der Umgestaltung besaß das langgestreckte Grundstück keinerlei Gliederung. Angelegt in den 1970er-Jahren, gab es nicht mehr als eine große Rasenfläche und ein paar Sträucher, die im Vergleich zu den dominanten Koniferen in den Nachbargärten optisch untergingen. Also wurde die öde Rasenfläche in unterschiedlich gestaltete Gartenräume umgewandelt: eine Terrasse mit Holzdeck im Übergang zum Wohnbereich, die in eine von Stauden und Gräsern eingefasste Kiesfläche übergeht. Daran schließt sich eine Rasenfläche mit einem kleinen Hain aus Himalaja-Birken (Betula jacquemontii). Hainbuchen-Hecken begrenzen diesen Gartenbereich und schaffen Raum für den Gemüsegarten und den Kompost, das „schwarze Gold“ der Gärtner. Im Zentrum des Gartens steht ein alter Walnussbaum (Juglans regia), dessen besondere Stellung durch einen runden Stahlkranz mit einer Kiesfläche hervorgehoben wird. „Wir haben versucht, eine Ästhetik zu finden, um gegen die vielen Koniferen in den Nachbargärten anzukommen und einen Ruhepol zu schaffen“, erklärt Wolfgang Wette. Die Gestaltung des gesamten Gartens richtet sich nach den Grundsätzen des klassischen Feng Shui, um Energie in den Garten zu holen – ein Spezialgebiet von Petra Wette. Maßgeblich sind weiße Farben wie etwa die vielen hell blühenden Stauden, die Himalaja-Birken mit leuchtend weißen Stämmen oder der helle Kies. Über die Jahreszeiten blühen Stauden in Weiß und Blau, viel verwendet wurden Storchschnabel-Arten (Geranium) und verschiedene Iris- und Zierlauch-Sorten (Allium). Auch der Stahlring um den Walnussbaum ist bewusst gewählt – runde Formen haben eine harmonisierende Wirkung auf das viele Grün aus den Nachbargärten. Mit zunehmender Entfernung vom Haus wird die Nutzung mit einer Obstbaumwiese extensiver. Kirsch- und Walnussbäume wurden aus dem alten Garten übernommen, Obstgehölze, die typisch für den Göttinger Süden sind. An den Rändern darf die Natur sich Bereiche erobern, spielt dieser Familiengarten doch mit der Ästhetik von Naturnähe und Gestaltung. Einen Kontrapunkt setzt schließlich der „Sonnenplatz“ zur Grundstücksgrenze mit einfachem Holzschuppen und einer Bank aus Euro-Paletten. Kürzlich hat Wolfgang Wette Rasen in Wiese umgewandelt, einen Saum zwischen Staudenbeet und Scherrasen hergestellt und neben der Kompostanlage einen Reisighaufen angelegt. Dieser Garten ist in steter Veränderung, damit sich die Biodiversität weiter erhöht.