Die Oase im eigenen Garten

Mehrgenerationengärten sind eine wunderbare Sache – nicht nur in Zeiten der Pandemie. Die Familienmitglieder können jederzeit im Freien zusammenkommen, wenn ihnen danach ist. Ebenso selbstverständlich kann sich jeder aber auch in seinen eigenen Bereich zurückziehen. In diesem Beispiel aus dem Schweizer Mittelland übernahm die jüngere Generation das Elternhaus und den alten Garten; die Großelterngeneration zog nebenan in einen Neubau mit eigenem Grün.

Hariyo Freiraumgestaltung GmbH
5408 Ennetbaden
Schweiz

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Der alte Garten sollte nun den Bedürfnissen einer Familie mit drei Kindern gerecht werden. „Familiengärten sind immer sehr dynamisch. Das nahe Elternhaus mit dem Garten machte aus dem Projekt einen Dreigenerationengarten, was sehr reizvoll ist“, sagt Michael Gut, der zusammen mit seiner Frau Anja das Konzept erarbeitete. Herzstück des Gartens bildet ein naturnaher Schwimmteich mit unterschiedlich gestalteten Wasserzonen. Rund um das Wasser sind verschiedene Aufenthaltsbereiche mit eigenem Gepräge angeordnet, die jeweils neue Blickwinkel in den Familiengarten bieten. Essplatz, Grillplatz und Lounge vor der Sauna sind räumlich klar getrennt, hängen aber logisch zusammen. Ein Laubengang führt vom Sitzplatz unter der Pergola, dem Hauptaufenthaltsbereich, bis zum Saunahaus. „Grundidee ist, dass der überdachte Teil und der Laubengang die verschiedenen Aufenthaltsflächen miteinander verbinden“, erklärt Gartengestalter Michael Gut. Über den Laubengang erreicht man auch den großen Nutzgarten, der mit seinen Gemüsebeeten die ursprüngliche Idee des Gartens aufgreift und den Kindern die Kultivierung von Nahrungsmitteln nahebringt. Eine pfiffige Idee ist das zweiteilige, von einer Natursteinmauer eingefasste Hochbeet: Eine Seite ist für die Pflanzenwelt reserviert, die andere beherbergt einen Stahlbrunnen mit integrierter Regenwassernutzung. Im Boden befindet sich dazu ein Regenwassertank mit 5000 l Fassungsvermögen, der über den Brunnen mithilfe einer Rohrmotorpumpe mit Magnetventil zur Bewässerung genutzt wird. Die große Rasenfläche am Teich bietet genug Platz für die Kinder zum Spielen und Toben und bringt gleichzeitig Ruhe in die artenreiche Pflanzung. Die Spielgeräte, wie etwa die Rutschbahn, sind an der Peripherie zum nahen Wald untergebracht und unauffällig in den Garten integriert, ohne die Gestaltung zu stören. Beim Auslauf der Rutschbahn sorgt ein runder Buddelplatz mit Sand dafür, dass jede „Landung“ weich verläuft. Daran schließt sich eine Ruderalfläche mit Kies und robusten einheimischen Pflanzen an. Wird die Rutschbahn später einmal demontiert, kann der Kiespufferstreifen weiter begrünt werden. Ganze 200 verschiedene Pflanzenarten haben Anja und Michael Gut gepflanzt, doch bei solch artenreichen Mischpflanzungen muss man in Kauf nehmen, dass ein gewisser Prozentsatz wieder verschwinden wird. „Das steht und fällt mit der Pflege, das ist immer die größte Herausforderung“, sagt Michael Gut. Im Hochsommer dominieren Hochstauden wie Purpur-Wasserdost (Eupatorium purpureum) und hohe Gräser wie das Pfeifengras (Molinia arundinacea) den Bereich um den Teich. Selbst im Winter zaubern die Gräser noch stimmungsvolle Impressionen, wenn der Raureif die Strukturen der Halme und Ähren fein säuberlich herausarbeitet. Anja und Michael Gut plädieren dafür, Stauden und Gräser erst im Frühjahr zurückzuschneiden, denn ihre Gärten sind immer auch dem ökologischen Gedanken verpflichtet. Stehengelassene Samenstände bieten Vögeln Nahrung in der kalten Jahreszeit. Und Insekten können in Stängeln und Hohlräumen der Stauden und Gräser überwintern und sind dann im neuen Jahr schon als Nützlinge in den Beeten.