Der urbane Dachgarten

Ein Dachgarten mitten in der Stadt ist wahrer Luxus und bedeutet pure Lebensqualität – hier oben ist man Teil des pulsierenden urbanen Lebens und gleichzeitig sehr privat im eigenen grünen Freiluftzimmer. Diese längliche Dachterrasse, eingenistet zwischen zwei Häusern, gehört zu einer Wohnung innerhalb eines historischen Gebäudes und bietet viele Vorzüge. Der Blick fällt rechts und links auf die Kronen der umliegenden Stadtbäume, über die Dächer der Stadt bis zu den bewaldeten Hügelketten am Horizont.

Lustenberger Schelling Landschaftsarchitektur
8810 Horgen
Schweiz

Galerie

Dazu kommt ein optimales Gestaltungspotenzial, denn die Terrasse bekommt genug Licht, hat nachmittags aber Schatten, sodass es nicht zu heiß wird. Abends taucht die Sonne den Dachgarten nochmals in ein warmes Rot. Hervorragende Bedingungen also, um daraus einen Lieblingsort, einen erweiterten Wohnraum unter freiem Himmel zu machen. Was fehlte war Räumlichkeit – als Raumteiler fungierten lediglich große Pflanztöpfe, was den Dachgarten mit seinen 78 m² unruhig wirken ließ. Die beiden Landschaftsarchitekten Jan Schelling und Robin Lustenberger standen vor der anspruchsvollen Aufgabe, Räumlichkeit zu schaffen, ohne dabei die Großzügigkeit zu vernachlässigen. Ihr Konzept sah vor, die kleine Fläche in verschiedene Nutzungsbereiche zu gliedern, Sitzgelegenheiten und Pflanzbereiche einzurichten, Blickachsen herauszuarbeiten und so für eine ruhige Atmosphäre zu sorgen. Und das unter Berücksichtigung der technischen Gegebenheiten, denn der Dachgarten ruht auf der Wohnung eine Etage tiefer. „Alles hatte so leicht wie möglich zu sein. Die gesamte Gestaltung musste den statischen Ansprüchen angepasst werden, was zu Kompromissen führte, etwa bei der Größe und Tiefe der Pflanzgefäße“, berichtet Jan Schelling. Um bei dem knappen Raum möglichst viele Sitzgelegenheiten zu schaffen, ließen sich die beiden Landschaftsarchitekten etwas Besonderes einfallen: Hölzerne Sitzbänke, die gleich in die Pflanzgefäße integriert sind. „Sie kommen ohne Stützen aus, was ihnen eine gewisse Leichtigkeit verleiht“, sagt Jan Schelling. Die Bänke werden von den hölzernen Pflanzgefäßen eingerahmt, was sehr wohnlich wirkt. Zu dieser wohnlichen Atmosphäre trägt auch das hochwertige Holzdeck bei, das auf kleinstem Bodenaufbau entstand – übrigens eine ebenso große technische Herausforderung wie die 'schwebenden' Sitzbank-Elemente. Den Essbereich umsteht eine Pergola mit einer Horizontal-Faltstore, die vor zu viel Sonne oder Regen schützt. Sie bringt die dritte Dimension in den kleinen Raum und sorgt für räumliches Empfinden. Eine englische Kletterrose (Rosa 'Phyllis Bide') umrankt die Stützen und verbreitet ihr feines Parfum um den Sitzplatz. Da die weiße Fassade des Nachbargebäudes sehr stark in die Wohnräume reflektierte, setzten die Gartengestalter eine immergrüne Eibenhecke mit einer abwechslungsreichen Vorpflanzung aus Gräsern und Stauden vor diese Wand. Statt auf die weiße Wand, blickt man nun von den Wohnräumen hinaus ins Grüne. „Diese Sichtbeziehungen von innen nach außen waren sehr wichtig, man spürt nun die Erweiterung des Wohnraumes“, erklärt Jan Schelling. Gleichzeitig verbindet der grüne Korridor nun die beiden Ausblicke der längsorientierten Dachterrasse. Links und rechts hat man den Weitblick; die Hecke als grüner Hintergrund definiert den Rahmen des Raumes und stellt die Verbindung zur Stadt her, die ebenfalls sehr grün ist. Abgerundet wird die Atmosphäre dieses Wohlfühlraumes auf dem Dach mit einer exquisiten Auswahl an Töpfen, bepflanzt mit Funkien (u. a. Hosta sieboldiana 'Elegans' und 'Red October') und Hortensien (u. a. Hydrangea paniculata 'Bobo'). Selbst kleinkronige Solitäre wie ein Japanischer Zierahorn (Acer japonicum 'Atropurpureum') finden im überdimensionalen, sehr leichten Fieberglastopf mit Stahlbeschichtung Platz. Die edlen Töpfe waren ebenso wie die Möblierung vorhanden und wurden perfekt in die Gestaltung integriert. Und obwohl es jetzt viele Angebote gibt, wirkt der Dachgarten keineswegs vollgestopft. „Die Gestaltung veränderte die Wahrnehmung des Raumes erheblich. Es entstanden Nischen und räumliche Unterteilungen, Pflanzflächen und Dynamik“, fasst Jan Schelling die Wirkung zusammen.