Der richtige Winkel

Ein Architektenhaus aus den 1980er-Jahren mit strengen geometrischen Linien; der Garten mit typischen Merkmalen dieser Zeit, als da wären: eine unklare Abgrenzung des Vorgartens zum Fußweg und eine triste Bepflanzung aus immergrünen Bodendeckern und Koniferen. Das war die Ausgangslage.

Strauchpoeten
10777 Berlin
Deutschland

Galerie

Das Haus erinnerte mit seinen dunklen Klinkern an eine Trutzburg, selbst Wege und Mauern bestanden ursprünglich aus diesem Material, sodass das Anwesen vor der Umgestaltung düster wirkte. Doch Yvette Grafe war sofort begeistert von der Linienführung der Architektur im 45°-Winkel, die in alle Richtungen konsequent durchgehalten ist und den Innenmit dem Außenraum elegant verbindet. Diese besondere Linienführung aufzugreifen, machte die Berliner Landschaftsarchitektin zur Grundlage ihrer Planung. „Das Gestaltungsmuster transportierten wir in die horizontalen und vertikalen Flächen und Elemente des Gartens. So entstanden diagonale Blickachsen und Bezugslinien, die den Garten größer machen, Nischen zum Sitzen schaffen und Flächen verbinden“, erklärt Yvette Grafe, die sich zusammen mit Jens Gehrke auf die Gestaltung von Privatgärten spezialisiert hat. Insbesondere der Vorgarten bekam ein völlig neues Aussehen. Um eine freundlichere Stimmung zu erzeugen, wurden zunächst alle Beeteinfassungen und die dunklen Klinkerwege entfernt. Die Materialwahl für die Wege gestaltete sich zunächst schwierig, da einfache rechtwinklige Platten nicht ins Konzept mit den 45°-Winkeln passen. Die Wahl fiel schließlich auf Pflasterplatten aus Werksbeton mit natursteinartiger Maserung, die mit ihrem Verlegemuster in verschiedenen Winkeln zu den Linien des Konzeptes passen. „Das Verlegemuster für die Betonplatten haben wir entwickelt, ebenso Zaun, Tor, Mauern und Stelen sowie die Natursteinbänke. Das Design der Betonplatten basiert auf Quadraten, die in verschiedenen Winkeln angeschnitten sind. Um eine ruhige Fläche zu erzeugen, kommt es also auf die richtige Anordnung an“, erklärt Ivette Grafe. Dank der hellen Bodenbeläge und der Sitzelemente aus Travertin wirkt jetzt auch die Fassade des Wohnhauses freundlicher. Die immergrünen Bodendecker und Koniferen aus dem Vorgarten wurden entfernt. Nun prägen Hochbeete aus hellem Travertin mit Sitzmauern und Stelen den Eingangsbereich. Sie schaffen eine zweite Ebene, bieten Sichtschutz und sorgen für eine räumliche Trennung zum neu geschaffenen Parkplatz, der gleichzeitig damit ausgeblendet wird. Gräser und Stauden in den Hochbeeten bilden mit ihrem luftig-leichten Charme einen schönen Kontrast zur strengen Architektur des Hauses und der Hochbeete. Ganzjährig leuchten Stauden aus dem Gräsermeer, die mit ihren warmen Feuertönen Bezug zum Kupferdach des Hauses nehmen. Neben Prachtstauden wie Fackellilie (Kniphofia) und Fritillaria-Arten schaffen Schleierstauden wie Wiesenknopf (Sanguisorba) und zarte Myrten-Aster (Aster ericoides) eine sommerliche Wiesen-Atmosphäre. „Die Raster-Pflanzung gibt dem Haus in Kombination mit den hellen Betonplatten und Einfassungen einen freundlichen, fast südländischen Charakter“, findet Yvette Grafe. Auch an Geophyten wurde gedacht, die bereits Anfang März mit orangen Krokussen (Crocus) und rostroten Wildtulpen (Tulipa sylvestris) blühen. Eine schöne, mehrstämmige Kiefer (Pinus), typisch für die kargen Sandböden Berlins, wurde erhalten und schmückt den Vorgarten. Im rückwärtigen Garten blieb der Bestand an alten Bäumen unangetastet – er sorgt für einen weichen Übergang in den angrenzenden Wald.