Der Duft Frankreichs in Norddeutschland

„Der Duft Frankreichs wird von einer nordischen Brise durch den Garten geweht. Frankreich soll zu erahnen sein, der Garten aber nach Norddeutschland und zum Wohnhaus passen“, beschreibt Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann den Auftrag. Es ist ein Stadtgarten, passend zur hübschen kleinen Altbauvilla, die mit viel Liebe hergerichtet wurde. Klare architektonische Linien geben ihm seine Struktur, die Pflanzen bieten dazu einen lebendigen Kontrast, brechen die Formalität auf.

Soeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur
22393 Hamburg
Deutschland

Galerie

Rasen gibt es nicht, er ist in dieser abwechslungsreichen Gestaltung absolut entbehrlich. Die geschickte räumliche Gliederung sorgt dafür, dass der Garten viel größer wirkt, als er in Wahrheit ist. Wasser ist ein wichtiges Element in dieser Gestaltung, ebenso wie die Beschränkung auf wenige edle Materialien, die Patina ansetzen dürfen, ja, sogar sollen. Gehölze, Stauden und Gräser werden auf die Bühne gehoben – sie haben einen hohen Stellenwert. Die leichte Topografie des Grundstücks nutzt der Landschaftsarchitekt für seine Gestaltung. Sie deutet sich durch Treppen und Höhenabstufungen mit Trockenmauern an, die parallel zum Haus verlaufen: „Das mache ich gerne, die Topografie aufnehmen, sichtbar machen und damit Räume schaffen.“ So ergeben sich unterschiedliche Gartenzimmer auf verschiedenen Ebenen: ein sehr privater Südhof mit Terrasse und Wassertrog in Hausnähe als Wohnzimmer im Freien. Etwas erhöht, über wenige breite Treppenstufen erreichbar, ein zentrales Pflanzenzimmer. Auf gleicher Ebene befindet sich das Gartenzimmer mit geschütztem Sitzplatz am formalen Becken, in dem das Wasser für ständig neue Spiegelbilder sorgt – je nach Wind und Wetter. Räume sind durch Heckenriegel und besondere Paravents aus Stahlhalmen angedeutet, die weiß blühende Glyzinen (Wisteria sinensis 'Alba') tragen. Die Konstruktion stammt vom Landschaftsarchitekten selbst, die Bepflanzungsidee von der Bauherrin – die verholzende Kletterpflanze erinnert sie an Frankreich. Wie alle baulichen Elemente orientieren sich die Pflanzen-Paravents am Haus, ohne auf eine Achse ausgerichtet zu sein. Diese luftig leichte Konstruktion schließt den Garten auch zur hinteren Grundstücksgrenze ab. Dort halten die Stahlhalme ihre bogig überhängenden Metallfinger wie eine schützende Hand über den gleichermaßen intimen wie sonnigen Sitzplatz und verwehren zusammen mit dem Blätterdach der Glyzine Einblicke vom Nachbarhaus. Der eigene Blick jedoch bleibt frei und streicht über das formale Wasserbecken durch das Pflanzenzimmer zurück zur Villa. Nutz- und Beetflächen sind miteinander verwoben, die Bepflanzung in der Höhe gestaffelt und an den Standort angepasst. Sie durchläuft viele abwechslungsreiche Phasen: Strukturstark im Winter, edel grün-weiß im Frühjahr, üppig im Sommer und laubfärbend im Herbst. Wertvolle Gehölze wie z. B. ein Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) wurden wiederverwendet. An die angrenzenden Grundstücke wurde mit dem Pflanzen von Pflaumenblättrigem Weißdorn (Crataegus prunifolia) angeknüpft und so eine Verbindung zwischen den benachbarten Gärten geschaffen. Das Material ist zurückhaltend gewählt. Der Kies ist multifunktional und wirkt wie eine Grundierung, die sich durch die Gestaltung zieht. Alles Gebaute, auch das Wasserbecken und der Brunnen, besteht aus Sandstein – ein Naturstein, der eine schöne Patina ansetzt. „Die größte Herausforderung war, kein Abziehbild zu bauen, sondern eine Idee von Frankreich zu kreieren, seinen Duft wachzurufen“, resümiert Soeren von Hoerschelmann. Kein Zweifel – dies ist ihm gelungen. Der Garten lässt Frankreich mit seiner gelungenen Kombination aus natürlichen Materialien, Pflanzen und reduzierten baulichen Elementen subtil anklingen. Und dennoch passt dieser Stadtgarten uneingeschränkt zum Wohnhaus und nach Norddeutschland.