Dachgarten Penthousewohnung am Olympiapark, Formal-Wild

Es ist eine Welt für sich – hier oben über den Dächern der Millionenmetropole. Man ist Teil der pulsierenden Großstadt und gleichzeitig für sich im Grünen – das bedeutet Lebensqualität, gebündelt auf kleinstem Raum. Der Blick vom Dachgarten reicht vom Olympiagelände mit Sendeturm über ein Meer aus Dächern bis hin zu den Alpen am fernen Horizont. Keine Frage, der Ausblick und die sich daraus ergebenden Blickachsen waren für die Planung von Landschaftsarchitekt André Hellberg bestimmend.

KLAK Gartenmanufaktur Landschaftsarchitektur
84437 Reichertsheim
Deutschland

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Und natürlich die technischen Gegebenheiten, denn die Tragfähigkeit eines Daches entscheidet letztlich darüber, was machbar ist und was nicht. André Hellberg hat jedenfalls jede Menge guter Ideen, wie man Dachgärten gestalten kann. Dieser von ihm konzipierte Garten im 4. Stock einer Penthouse- Wohnung spielt mit scheinbaren Widersprüchen wie Intimität auf der einen und grandioser Aussicht auf der anderen Seite. Beides versucht er, in der Gestaltung umzusetzen: Ausblicke werden kanalisiert, gleichzeitig ist aber auch Rückzug hinter wellenförmig geschnittenen Ligusterhecken (Ligustrum ovalifolium) möglich. Da Räume als größer empfunden werden, wenn sie unterschiedliche Szenarien bieten, hat André Hellberg trotz kleiner Fläche verschiedene Gartenräume geschaffen. Auch hier greift er wieder das Spiel mit scheinbar Gegensätzlichem auf – formale contra organische („wilde“) Formgebung. Einerseits sorgen quadratische Podest-Flächen und ein Baum-Karrée aus kugelförmigen Ginkgos (Ginkgo biloba) für geometrische Ordnung. Andererseits geben im „wilden“ Teil organische Formen und Gräser wie der Blaue Strandhafer (Ammophila breviligulata) den Ton an. „Die Gartenteile 'formal' und 'wild' sind durch subtile Formensprache und gestalterische Elemente miteinander verbunden. Der architektonische Teil assoziiert Qualitäten eines öffentlichen Platzes; dagegen wirkt der 'wilde' Bereich mit Gräsern und luftigen Felsenbirnen mediterran und verträumt“, erklärt der Landschaftsarchitekt. Die Gartenräume fließen nicht etwa ineinander, sondern sind vielmehr „zart miteinander verknüpft“, wie Andé Hellberg es formuliert. Diese Verknüpfung wird durch die Achsen der geradlinigen Schrittplatten erreicht, die aus den formalen Bereichen in den organisch gestalteten Gartenteil führen. Umgekehrt tragen die im Karée verstreut aufgestellten Pflanzkübel mit Hortensien (Hydrangea macrophylla 'Endless Summer') und die Heckenwellen die „wilde“ Form in den architektonischen Bereich. Gepflanzt wurde wegen der geringen statischen Belastbarkeit des Daches in allen Beetbereichen, unter Hecken und auf den Podestflächen in Schaumglasschotter, der aus Quarzsand oder recyceltem Glas hergestellt wird. Der Aufbau auf der bestehenden Bitumenbahn-Dichtung besteht daher, bei möglichst geringer Dachlast, aus mehreren Schichten: „Da wir auch mit den Höhen der Pflanzgefäße variieren wollten, musste je nach Pflanzsituation die maximale Schichtdicke Substrat ermittelt und dementsprechend die verbleibende Höhe mit Schaumglasschotter ausgeglichen werden“, erklärt André Helberg. In den Pflanztrögen wurde in den Schaumglasschotter zusätzlich Perlit aus Vulkangestein gemischt, um den Pflanzen weiteren Wurzelraum zu bieten. Sicher kein geringer Aufwand – doch ein schönes Beispiel zum Nachahmen für mehr Grün in unseren Städten.