Big is beautiful

„Kennen Sie das Verzascatal nördlich des Lago Maggiore? Das ist meine Inspirationsquelle. Es ist ein grandioses Gefühl, in dem grünen Wasser des Flusses zwischen schroffen Felsen und markanten alten Eichen zu schwimmen“, schwärmt Ben Uhlmann. Der Schweizer Landschaftsarchitekt hatte das Bild des wildromantischen Flusstales vor Augen, als er diesen Garten auf einem Hügel mit Wasserflächen, Felsen und bis zu 12 m hohen Flaumeichen (Quercus pubescens) gestaltete und so eine Verbindung zwischen moderner Gebäudearchitektur und der Natur der Luzerner Voralpen herstellte.

Gartenkultur AG
3322 Urtenen-Schönbühl
Schweiz

Galerie

Entstanden ist ein in sich geschlossener Garten auf verschiedenen Ebenen, der jeden Gang zum Naturerlebnis werden lässt. „Die 7 Eichen und 35 Tonnen Felsen wurden zuerst ausgewählt. Die Gartenbesitzer schreckten vor der Größe nicht zurück“, berichtet der Gartengestalter. Und das, obwohl die zur Verfügung stehende Fläche mit 500 m² überschaubar ist und das Mißverhältnis zwischen dem kleinformatigen Garten und dem raumgreifenden eingeschossigen Wohngebäude auffiel. Doch wie umgehen mit einem solchen Missverhältnis? Für Ben Uhlmann steht fest: „Ein kleiner Baum verliert sich neben einem solchen Gebäude, also müssen gleich große Gehölze mit Charakter gepflanzt werden. Das gilt auch für die Dimension der Felsen und Findlinge. Der Garten wirkt jetzt großzügiger, da mehr Raum in der Höhe in Anspruch genommen wird.“ Die großzügige Gebäudearchitektur öffnet sich mit ihrer breiten Glasfront zum Außenraum, sodass Parkettboden und Holzdeck nahtlos ineinander übergehen. Das Prinzip der Großzügigkeit wird auf das Holzdeck (50 m²) übertragen, dessen Fläche lediglich durch ein schmales ornamentales Band aus Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale) unterbrochen wird. Auf gleicher Ebene befindet sich der Pool, der so in den Hang eingefügt ist, dass der Blick beim Schwimmen weit in die Berglandschaft reicht. Markante Felsbrocken fangen den Höhenunterschied zwischen dem Pool und den tiefer liegenden Bereichen ab. Sie passen millimetergenau ineinander. Vom Holzdeck geht es über mit Gräsern belebte Kiesstufen hinab zum Gartenhaus („Cigarrenlounge“), das den offenen Stil des Wohngebäudes aufgreift. Die tiefste Ebene ist mit einem belebenden Wasserbecken und einer archaischen Feuerschale dem Spiel der Elemente vorbehalten. Eingefasst mit einer immergrünen Eibenhecke und fest installierten Holzbänken, bietet dieser Sitzplatz eine interessante Perspektive: Von dort wirkt es, als brenne das Feuer in der Schale auf der türkisblauen Wasserfläche des Pools. Über die immergrüne Eibenhecke ragen die Kronen der hohen Flaumeichen und blenden die Dächer der Nachbarhäuser aus. Gleichzeitig verleihen sie dem Garten mediterranes Flair und eine gewisse Luftigkeit. Gräser wie Bärenfell-Schwingel (Festuca gautieri) und Immergrüne wie kissenförmige Zwergkiefern (Pinus mugo var. pumilio 'Living Stone') greifen die weiche Form der umliegenden Hügelzüge auf und lassen die Felsbrocken mit der Landschaft verschmelzen. „In alle Ritzen der Felsen haben wir Rotschleierfarne (Dryopteris erythrosora) und Wildtulpen (Tulipa sylvestris) gesetzt“, sagt Ben Uhlmann. Letztere sorgen zusammen mit Christrosen (Helleborus niger), Lilientrauben (Liriope muscari), Prachtkerzen (Gaura lindheimeri) und Rispen-Hortensien (u. a. Hydrangea paniculata 'Little Lime', 'Limelight') für den Blumenschmuck in dieser Gartenlandschaft aus schroffen Felsen, Wasser und knorrigen Eichen.