Der Zaubergarten

Lebensfreude pur. Überbordende Fantasie. Und ein interessantes Phänomen: Durch die Bepflanzung hat sich die frei begehbare Fläche des nur mittelgrossen Gartens eigentlich verkleinert. Es ist wie Magie, wenn der Garten vor dem Auge des Betrachters zu wachsen scheint. Der Garten hat eine Leichtigkeit und doch so starke Kontraste wie z.Bsp. der massive Beton zu den filigranen Ästen und Laubstrukturen der Mehrstämmer. Die unterschiedlich spürbaren Atmosphären auf kleinem Raum erzeugen ein wahrhaftiges Erlebnis. Die Blickachsen, die sich durch die Bäume und Bepflanzung bilden, lassen den Raum immer aufs Neue erleben.

Lustenberger Schelling Landschaftsarchitektur
8810 Horgen
Schweiz

Wo liegt der Garten? Gibt es typische regionale Merkmale, die der Garten aufgreift?

Der Garten liegt in einem ruhigen, durch Einfamilien-Häuser geprägten Wohnquartier. Die Umgebung ist grün und parkartig. Der Garten ist der Ort, an dem der massive Betonkubus aus den 70er Jahren seiner strengen, geometrischen Form auf die wilde grüne Landschaft trifft.

Wie lautete der Auftrag bzw. welche Wünsche hatte der/die Auftraggeber/in?

Die Aufgabe ist hauptsächlich von emotionaler Natur. Ein grosser Wunsch der Bauherrschaft war es, einen Ort zu schaffen, der einen deutlichen Perspektivenwechsel im Vergleich zu den Aufenthaltsorten direkt beim Haus bietet. Hinzu kam der Wunsch nach Artenvielfalt. Verschiedene Blumen, Hecken, Stauden und grosse Bäume in fantasievoll geformten Pflanzflächen, kleine Wege und Plätze mit unterschiedlichen Bodenbelägen – wer diesen Garten betritt, soll vom Entdeckergeist übermannt werden.

Galerie

Was war Ihr erster Gedanke zu diesem Projekt/ bzw. ihr erster Eindruck vom Garten?

Der ursprüngliche Garten erinnerte uns mit seinen wunderschönen grossen Bäumen und dem dichten Unterholz an einen Märchenwald. Seine Faszination sollte unbedingt erhalten bleiben. Was noch fehlte, war die gestaltende Hand, die den Märchenwald in einen Zaubergarten verwandelt.

Was sah Ihr Planungskonzept vor? Welche grundlegenden Ideen stecken hinter dem Konzept?

Organisch geformte Beete ragen in den Garten, grosse Solitärbäume üben ihre raumbildende Funktion in der Höhe aus, eine rechtwinklige Balkenkonstruktion trägt die strenge Formensprache des puristischen Betonbaus in die üppige Pflanzenwelt, und verschiedene Bodenbeläge aus Holz, Stein, Kies und Rasen gaukeln dem Auge Horizonte vor und verleihen dem Raum Tiefe. Wie in einem Wald bilden unterschiedliche Pflanzenebenen den Garten. Von der Rasen- und Krautschicht, in diesem Fall die Staudenflächen, zu grösseren Sträuchern, noch grösseren Bäumen und den mächtig emporsteigenden Giganten, den Schwarz-Föhren.

Was haben Sie vor allem verändert? Wie sind Sie vorgegangen?

- Der Garten wurde zoniert und verschiedenen Funktionen zugewiesen - Aus einem grossen, ganzen Raum wurden verschiedene kleinere Räume geschaffen - Nutzung, Blickbeziehung, Geborgenheit und Fantasie stehen bei diesem Garten im Mittelpunkt

Was macht den Garten jetzt aus? Wie würden Sie die Atmosphäre des Gartens beschreiben? Wie würden Sie ihn charakterisieren?

Lebensfreude pur. Überbordende Fantasie. Und ein interessantes Phänomen: Durch die Bepflanzung hat sich die frei begehbare Fläche des nur mittelgrossen Gartens eigentlich verkleinert. Es ist wie Magie, wenn der Garten vor dem Auge des Betrachters zu wachsen scheint. Der Garten hat eine Leichtigkeit und doch so starke Kontraste wie z.Bsp. der massive Beton zu den filigranen Ästen und Laubstrukturen der Mehrstämmer. Die unterschiedlich spürbaren Atmosphären auf kleinem Raum erzeugen ein wahrhaftiges Erlebnis. Die Blickachsen, die sich durch die Bäume und Bepflanzung bilden, lassen den Raum immer aufs Neue erleben.

Auf welches Highlight/Detail im eingereichten Projekt sind Sie besonders stolz? Was ist besonders gut gelungen?

Die Balken-Pergola ist ein Highlight des Gartens. Eine so massive Konstruktion mit doch kleinen Details wie der Zapfenverbindung und der Einfassung durch die Eiben-Körper. Die Lage auf drei Stützen welche enormen Spannweiten erzeugt, lassen die Balken förmlich schweben. Die Balken sind unterschiedlich gross, durch eine geschickte Setzung gelang es, den Betrachter vom Gebäude aus zu täuschen, um die unterschiedlich grossen Balken als eine einzige dicke Linie wahrzunehmen. Das Zusammenspiel zwischen den geschnittenen Nagelfluhplatten, dem Kies, dem grün aus der Rasenfläche und den Pflanzungen und dem darauffallenden Schatten bildet ein gesamthaft magisches Bild.