City-Dschungel

Feine und sehr präzise eingesetzte Materialität steht im spannungsvollen Kontrast zum morbiden Charme der historischen Backsteinmauern und der möglichst kraftvollen ‚Naturpräsenz‘. Dies führt zusammen mit dem wohlgeformten Großbaum zu einem individuellen Raumbild, das so nur an diesem Ort entstehen konnte.

Terramanus Landschaftsarchitektur
53173 Bonn
Deutschland

Wo liegt der Garten? Gibt es typische regionale Merkmale, die der Garten aufgreift?

Kölner Stadt-Quartier mit altem Baumbestand. Der Garten ist umgeben von typischen historischen Backstein-Gartenmauern und höheren Gehölzen der angrenzenden Gärten.

Wie lautete der Auftrag bzw. welche Wünsche hatte der/die Auftraggeber/in?

Gartensanierung, Bauen im Bestand. Gewünscht war ein neuer Gartenraum in klarer, modern wirkender Anmutung, der nicht unbedingt der Vorstellung vom klassischen ‚Blumen- und Rasengarten‘ folgt, andererseits aber auch nicht leblos erscheint. Der zu erhaltende, zweistämmige Bergahorn am Kopfende des Gartens sollte kein Gestaltungshindernis sein, sondern idealerweise ein aufwertender Gestaltungsaspekt des Gartens werden. Für einen Swimming Pool wurde die Wunschlänge von mindestens 10 m genannt (erreicht: 11 m).

Galerie

Was war Ihr erster Gedanke zu diesem Projekt/ bzw. ihr erster Eindruck vom Garten?

Die unter dem Großbaum vorhandene Rasenfläche kümmerte stark und machte deutlich, dass eine erneute Gestaltung mit diesem Flächenelement nicht sinnvoll war (siehe Vorher-Bilder). Unterschiedlichste verwilderte Bäume und Gehölze der Nachbargärten könnten zwar als grüne Kulisse den neuen Raum begleiten, würden gleichzeitig aber immer auch einen gewissen undefinierten, eher unruhig wirkenden Hintergrund ergeben. Zusätzlich zum mächtigen Bergahorn ‚drücken‘ sie von der Seite in den Garten. Der neue Aufenthaltsbereich sollte darauf mit Ruhe und großzügiger Offenheit reagieren. Die Wahrnehmung des Gartens erfolgt aus unterschiedlichen Perspektiven bzw. Entfernungen (vom Sitzplatz unmittelbar im Garten, vom Balkon (EG), aus dem unteren Wellness-Bereich (KG), vom oberen Dachgarten (3. OG).

Was sah Ihr Planungskonzept vor? Welche grundlegenden Ideen stecken hinter dem Konzept?

Die besondere Anordnung der Gartenzugänge bestimmt das generelle Raumkonzept. Nach der zeitgleich stattfindenden Sanierung des denkmalgeschützten Wohngebäudes würde der Garten wieder vom vergrößerten Balkon des oberhalb liegenden Erdgeschosses über eine zentrale Wendeltreppe zugänglich sein. Ergänzend dazu werden unter dem Balkon ebenfalls die beiden mittigen Austritte des künftigen Wellness-Bereichs im ebenerdig liegenden Kellergeschoss zur Gartenanbindung. Es entstand die Idee eines soliden, eher 'nüchtern konstruierten' Gartenwohnraumes, der mit 'spontan üppiger' Natur im Kontrast zu einer wohligen Stadt-Oase erwächst.

Was haben Sie vor allem verändert? Wie sind Sie vorgegangen?

Diesem Planungsansatz folgend bilden sich drei klare Zonen heraus: Eine zentral platzierte Terrasse, die den Bergahorn als prägendes Gestaltungselement würdigt, eine gestreckte Wasserachse (Swimming Pool) und ein möglichst zusammenhängender Pflanzbereich, der so auch die großzügige Verwendung solitärer Groß-Gräser zulässt.

Was macht den Garten jetzt aus? Wie würden Sie die Atmosphäre des Gartens beschreiben? Wie würden Sie ihn charakterisieren?

Feine und sehr präzise eingesetzte Materialität steht im spannungsvollen Kontrast zum morbiden Charme der historischen Backsteinmauern und der möglichst kraftvollen ‚Naturpräsenz‘. Dies führt zusammen mit dem wohlgeformten Großbaum zu einem individuellen Raumbild, das so nur an diesem Ort entstehen konnte.

Gibt es besondere Pflanzen, die verwendet wurden (Pflanzkonzept)?

Dichte, teilweise möglichst hohe Gräsergruppen wie Pampasgras (Cortaderia selloana) oder Garten-Sandrohr (Calamagrostis acut. ‚Karl Foerster‘) im sonnigen Bereich sowie Farne im Schatten sollen - neben jahreszeitlich wechselnden Waldstauden (z. B. Hemerocallis u. Anemone) - ein ungestümes, möglichst ‚dschungelartiges‘ Naturbild zeichnen, das mit der eher spontan entwickelten Vegetation der Nachbargärten eine gefühlte Symbiose erlaubt. Das ‚schwebende‘ Holzdeck umspielen niedrigere Flächenstauden (z.B. Epimedium u. Hosta) und Gräser (Carex), um seine topografische Wirkung nicht zu mindern (entschuldigende Anmerkung des Autors: Die Fotos entstanden im zweiten Standjahr in einer leider etwas blüharmen Spät-Septemberphase).

Auf welches Highlight/Detail im eingereichten Projekt sind Sie besonders stolz? Was ist besonders gut gelungen?

Die Schaffung einer kontemplativen, eleganten Szenerie mit attraktivem Freizeitwert, welche auch die schon vorhandenen Naturelemente bestmöglich respektiert. Zudem gefallen mir besonders die entstandenen Blickwirkungen und deutlich unterschiedlichen Raumtiefen, die der Garten aus verschiedenen Perspektiven heraus entwickelt. Zusammen mit seinen dezenten Topografien bietet der Garten auch in der dritten Dimension vielfältige Strukturen - zu jeder Jahreszeit.